Okt 10, 2016
Okt 10, 2016

Welches Turnierformat begünstigt den Außenseiter?

Welches Turnierformat begünstigt den Außenseiter?
Ob bei den Australian Open im Tennis oder der World Series im Baseball, die Quoten für Siegwetten sind der Markt, den sich die besten Wettenden zu Beginn eines Wettbewerbs ansehen, um die Stärke der Teilnehmer einzuschätzen. Das Turnierformat hat großen Einfluss auf die Quoten, doch welches Format begünstigt den Außenseiter und welches den Quotenfavoriten? Lesen Sie weiter, um mehr zu erfahren.

Als Faustregel gilt, dass stärkere Teilnehmer in längeren Turnieren normalerweiser beständige Ergebnisse liefern und Außenseiter eher in kurzen Turnieren für Überraschungen sorgen können. Doch wie genau beeinflusst das Turnierformat die Siegchancen eines Teilnehmers?

David R. Appleton von der University of Newcastle upon Tyne (UK) hat in einer statistischen Untersuchung verschiedene Turnierformate verglichen, um den Einfluss des Formats auf die Chancen von Mannschaften oder Spielern zu bestimmen, den Titel oder den ersten Preis in einer Sportveranstaltung zu gewinnen.

Turnierformate

In Fußballliegen treffen alle Mannschaften jeweils zweimal, in einem Heim- und einem Auswärtsspiel, aufeinander, während die Spielpaarungen in K.o.-Wettbewerben wie dem englischen FA Cup normalerweise zufällig ausgelost werden. Im Tennis gibt es ebenfalls das K.o.-Format, allerdings werden die Spieler aufgrund ihrer Leistungen in der Vergangenheit gesetzt, so dass die Favoriten nicht in den frühen Phasen des Turniers aufeinandertreffen. Hier sind die fünf häufigsten Turnierformate und die Sportarten, in denen sie zum Einsatz kommen:

1. K.o.-Turniere

Das K.o.-System, auch Einzelausscheidung oder Pokalsystem genannt, ist eine Art von Ausscheidungsturnier, bei der der Verlierer eines Spiels ausscheidet. Ein klassisches Beispiel für einen K.o.-Wettbewerb ist der Pokalwettbewerb im Fußball. Von den vier großen amerikanischen Sportligen verwendet nur die NFL dieses System in allen Runden der Post-Season.

2. K.o.-System mit Setzen (Seeding)

Dieses Format wird eingesetzt, um zu gewährleisten, dass die stärksten Spieler erst in späteren Turnierphasen aufeinandertreffen. Dadurch steigen die Qualität der Spiele und die Spannung. Für dieses Turnierformat ist eine offizielle Rangliste erforderlich. Dieses Format ist im Tennis weit verbreitet und erklärt, warum Djokovic nicht in den frühen Runden eines Grand Slams gegen Murray spielt.

3. Rundenturnier

Im Gegensatz zum K.o.-System eines Pokalwettbewerbs spielt in einem Rundenturnier jede Mannschaft gegen jede andere. Die meisten organisierten Fußballligen der Welt, wie die Premier League und La Liga, sind in Rundenturnierform aufgebaut.

4. Best-of-Three

Beim Best-of-Three muss ein Team oder ein Spieler zwei Spiele gegen ein anderes Team bzw. einen anderen Spieler gewinnen, um die Runde zu gewinnen. Bei Grand-Slam-Turnieren spielen Frauen zum Beispiel Best-of-Three-Sätze, während die Entscheidung bei den Männern im Best-of-Five-Sätze-Format gefunden wird.

5. Schweizer System

Beim Schweizer System finden in einem Turnier eine festgelegte Anzahl an Runden statt, jedoch weniger als bei einem Rundenturnier. Der Verlierer der einzelnen Runden scheidet nicht aus dem Turnier aus. Da nicht jeder Teilnehmer gegen jeden anderen Teilnehmer spielt, treffen die Spieler oder Teams in jeder Runde auf Gegner mit einer ähnlichen Punktzahl.

Um in einem Turnier nach Schweizer System zu gewinnen, muss man die höchste Gesamtpunktzahl über alle Runden hinweg erreichen. Diese Turnierform wird verwendet, wenn ein Rundenturnier aufgrund der großen Teilnehmerzahl nicht möglich ist.

Das erster Schweizer Turnier war ein Schachturnier in Zürich, daher der Name. Neben Schach wird das Schweizer System auch für eSports und Magic: The Gathering verwendet.

Welches Format begünstigt wen?

Basierend auf 10.000 Simulationen zeigt die folgende Tabelle den prozentualen Anteil der Male, die jeweils der beste Spieler die Turnierart gewonnen hat.

Turnier

Format

Häufigkeit Favoritensieg

(8-Spieler-Turnier)  

Häufigkeit Favoritensieg

(16-Spieler-Turnier) 

 

h*

nicht-h*

h*

nicht-h*

K.o.

27 %

58 %

19 %

51 %

K.o.-System mit Setzen (Seeding)

30 %

62%

22 %

56 %

Best-of-Three

33 %

68 %

26 %

62%

Rundenturnier

31 %

61%

30 %

62%

Schweizer System

29%

59%

21 %

50 %

* h = Turniere, bei denen die Qualität der Teams relativ homogen ist, wie die UEFA Champions League
** nicht-h = Turniere mit starken Qualitätsunterschieden, wie z. B. der englische FA Cup

Was bei der Analyse der obigen Daten als erstes auffällt, ist, wie stark die Siegchancen des Favoriten beeinträchtigt werden, wenn die Teilnehmerzahl (und damit die Anzahl Spiele) sinkt.

Beim Best-of-Three-Format weist das stärkste Team oder der stärkste Spieler die höchste Gesamtsiegwahrscheinlichkeit auf, während bei K.o.-Turnieren der Außenseiter besser abschneidet als erwartet.

Beim Vergleich der Turnierformate zeigt sich, dass die Gesamtsieghäufigkeit des stärksten Teams oder Spielers beim Best-of-Three-Format am höchsten ist. Das bedeutet, dass dieses System einzelne Niederlagen eher toleriert, denn der Turniersieger wird bis zum Sieg wahrscheinlich einige Spiele verloren haben.

Auf der anderen Seite der Skala liegen die K.o.-Turniere, bei denen der Prozentsatz am niedrigsten ist. Für Sportfans ist das wenig überraschend, denn es bestätigt das Klischee „Zum Gewinn der Meisterschaft braucht man ein gutes Team, für den Pokalsieg Glück.“ 

Beim Schweizer System haben die Spieler gleichviele Spiele, da es beim Kampf um Platz eins jedoch häufig zu Unentschieden zwischen den besten Spielern kommt, ist dieses Format für viele weniger attraktiv.

Zwar haben die Teilnehmer bei Best-of-Three- und Rundenturnieren die fairste Siegchance auf Grundlage ihrer Qualität, allerdings darf man nicht vergessen, dass viele Turniere auch darauf ausgelegt sind, dass die Teilnehmer eine angemessene Anzahl an Spielen absolvieren oder dass auch Außenseiter ihre Chance erhalten, zu glänzen.

Wettende können eine zentrale Lehre aus dieser Untersuchung ziehen. Wenn Sie Ihre Gewinne erhöhen möchten, platzieren Sie keine Wetten auf den Gesamtsieger, ohne das Turnierformat zu berücksichtigen. Das Angebot ist da, und das ist erst einmal alles. 

Wettressourcen – Für bessere Wetten

Die Wettressourcen von Pinnacle sind eine der umfangreichsten Sammlungen von Expertenratschlägen zum Thema Wetten im Internet. Sie richten sich an alle Erfahrungslevel mit dem Ziel, den Wettenden wertvolles Wissen zu vermitteln.