Nov 15, 2016
Nov 15, 2016

Interview mit Joe Peta – vom Börsenhändler zum Wettexperten

Interview mit Joe Peta – vom Börsenhändler zum Wettexperten
Kürzlich haben wir das Buch „Trading Bases“ besprochen – die Geschichte eines Wall-Street-Händlers, der sich Baseball-Wetten zuwandte, nachdem er von einem Krankenwagen angefahren und, während er verletzt war, von seiner Investmentbank entlassen wurde. In diesem Interview erfahren wir mehr über Joe Peta, den Mann, der ein erfolgreiches Modell für Baseball-Wetten entwickelte und ein Buch darüber schrieb. Erfahren Sie, wie Joe Peta die Zukunft der Sportwetten einschätzt und wie Sie einen Vorteil gegenüber Buchmachern gewinnen können.

Sie sind auf einer Dinnerparty, bei der niemand etwas über „Trading Bases“ gehört oder gelesen hat. Wie stellen Sie sich und Ihren Erfolg vor?

Ich würde wahrscheinlich sagen, dass ich ein Buch geschrieben habe, das Charlie Rose, Billy Beane und Maria Bartiromo begeistert hat und zu dem sie mich interviewt haben.

Warum haben Sie entschieden, Ihren Vorteil zu verraten? Waren Sie nie in Versuchung, weiter zu wetten und Ihr Modell für sich zu behalten? 

Darüber habe ich aus mehreren Gründen nie nachgedacht. Erstens entwickeln sich Modelle immer weiter, und in meinem Fall ist der Rahmen zwar derselbe wie vor fünf Jahren, es gibt jedoch Elemente die mich jetzt schaudern lassen. Zweitens hatte ich zu keiner Zeit das Gefühl, Einfluss auf die Gesamtquoten des Baseballmarktes zu haben.

„2012 berechnete ich einen erwarteten Vorteil von 12–14 % Gewinn über eine gesamte Saison.“

Und zu guter Letzt war das Ziel des Buchs, die Gemeinsamkeiten beim kritischen Denken in der Vermögensverwaltung in der Finanzbranche, der Sabermetrics-Seite beim Baseball und Sportwetten zu würdigen. 

Was das Weiterwetten angeht, berechnete ich 2012 einen erwarteten Vorteil von 12–14 % Gewinn über eine gesamte Saison. Ich hätte die Investition von 1 Mio. $ verdoppeln können, bevor ich die Limits in Las Vegas erreicht hätte. Nennen wir es also einen erwarteten Gewinn von 12 % von 2 Mio. $, also 240.000 $. 

Bei einem herkömmlichen Anteil von 20 % für den Manager eines Hedgefonds würden sich 48.000 $ ergeben. Das ist einfach sehr wenig im Vergleich mit den Gehältern in anderen Branchen.

Wie viel Zeit haben Sie in die Entwicklung Ihrer Strategie und die Wetten im ersten Jahr investiert. Was hat Sie dazu motiviert?

Ich kann nicht programmieren, also wahrscheinlich länger als ein Millennial bräuchte! Es war ehrlich gesagt ein zwei Jahre langes Non-Stop-Projekt. Die Motivation war die Tatsache, dass ich verletzt war, nicht arbeiten konnte und ich während meiner Genesung eine Beschäftigung brauchte.

Welche Hauptkriterien würden Sie bei der Auswahl eines Buchmachers berücksichtigen, wenn Sie Ihr Wettmodell jetzt umsetzen würden?

Ohne Zweifel wären das enge Spreads. In meinem Buch erkläre ich auf zahlreichen Seiten, warum Baseball-Wetten ein attraktiver Markt für modellbasierte Wetten sind, und der wichtigste Faktor dabei ist die „Dime Line“ oder 10-Cent-Linie. Ich würde sofort zu einem Buchmacher gehen, der sie einhält oder sogar etwas verkleinert.

Nichtsdestotrotz, und Sie werden bemerkt haben, dass ich nicht von Limits gesprochen habe, war ich ein Market-Maker im Börsenhandel und legte großen Wert auf Kundenservice. Kapital spielt für einen Buchmacher oder Market-Maker natürlich eine große Rolle, doch die wertvollste Aufgabe, die man übernehmen kann, ist die Verbindung zwischen zwei finanzkräftigen Wettenden/Investoren herzustellen.

Wie sieht Ihrer Meinung nach die Zukunft der Sportwetten aus? Glauben Sie, dass mehr Wettende eine Strategie bzw. ein Modell verwenden werden?

Ich erwarte, dass Entity-Wetten zunehmen werden, und ich denke, damit sie florieren können, werden die Buchmacher erfolgreicher sein, wenn sie neue Produkte anbieten und insbesondere ihr Geschäftsmodell in Richtung Kommissionsgeschäfte umbauen.

Letztlich können sie ihr Geschäft wesentlich mehr ausbauen, wenn sie ein Hybridmodell übernehmen und Gebühren kassieren, statt ausschließlich Kapital zu riskieren.

Das Überwinden persönlicher Schwierigkeiten spielt eine deutliche Rolle in Ihrem Buch. Mussten Sie in Bezug auf Ihr Wettmodell und seine Ergebnisse ebenfalls Schwierigkeiten überwinden?

Durch meine mehr als zehnjährige Tätigkeit als Wertpapierhändler kenne ich das Risiko und die Höhen und Tiefen, die mit dem Einsatz von Kapital verbunden sind, deshalb habe ich mich zu keinem Zeitpunkt entmutigt gefühlt.

Sabermetrics, also statistische Baseball-Analysen, waren offensichtlich eine zentrale Grundlage für Ihr Modell. Glauben Sie, dass Ihr Modell (oder Statistiken wie SIERA) neudefiniert wurden/werden? Gibt es weitere Aspekte, die Wettende ausnutzen können oder haben sich die Buchmacher abgesichert?

Ich glaube, dass die Messung und Prognose der Defensivwerte momentan die größte Marktineffizienz sind. Das Schöne am Baseball ist, dass es so viele Daten gibt, die jeder auf unterschiedliche Weise berechnen und gewichten kann.

In einem Markt wie Baseball, mit niedrigen Margen aufgrund der Dime Line, gibt es sehr viele unterschiedliche „Antworten“, zu denen Wettende, die sich auf Modelle stützen, gelangen können. Deshalb passt sich der Markt immer wieder an.

Gibt es technologische Entwicklungen seit der Veröffentlichung von „Trading Bases“, die Wettenden Ihrer Meinung nach helfen oder Sie behindern können (z. B. Datenanalyse/soziale Medien)?

Mit 100%-iger Sicherheit hat die explosionsartige Zunahme an Fantasy-Baseball-Wetten seit dem Erscheinen meines Buchs im Jahr 2012 dazu geführt, dass sich eine große Gruppe von Programmierern und Datenanalysten gebildet hat, deren Fähigkeiten meine bei Weitem übersteigen.

Ihre Erfahrung im Börsenhandel schien ein integraler Bestandteil für den Erfolg Ihres Models gewesen zu sein. Welche sonstigen Fähigkeiten/Erfahrungen haben Ihnen geholfen, erfolgreich zu sein?

Das Managen eines Portfolios aus der Perspektive der Kapitalallokation. Es mag so aussehen, als sei es dasselbe wie der Börsenhandel, das ist jedoch etwas ganz anderes. Ein Punkt, den ich in meinem Buch anspreche, ist, wie Wettende meiner Meinung nach das Kelly-Kriterium falsch anwenden.

„Ich glaube, dass die Messung und Prognose der Defensivwerte im Baseball momentan die größte Marktineffizienz sind.“

Wenn Sie einen Hedgefond oder einen Investmentfond managen, entwickeln Sie ein gutes Gefühl für Risiko, Varianz und insbesondere den Vergleich mit dem Benchmarkwert, dem S&P 500.

Beim Managen eines alternativen Fonds wie Baseball geht es darum, eine höhere Renditeerwartung beim selben Risiko zu finden. Denn dann haben Sie ein umsetzbares Investmentvehikel, und ich kann Ihnen versichern, dass es zahlreiche Wettende gibt, die eine viel zu hohe Varianz aufweisen.

Was würden Sie jemandem raten, der sein eigenes Modell entwickeln möchte? Was ist ein guter Ausgangspunkt für aufstrebende Wettende und was benötigen sie, um erfolgreich zu sein?

Sie müssen logisch denken können und gleichzeitig kreativ sein. Das Schöne ist, dass sie nur neugierig sein müssen, da alles, was sie zum Erstellen eines Modells benötigen, frei zugänglich ist.

Beschränken Sie sich beim Wetten aufgrund der spezifischen Dynamik beim Baseball auf ein Gebiet oder haben Sie Ihr System auf andere Sportarten angewandt? 

Ich habe auch mit modellbasierten Wetten in anderen Sportarten, vor allem College Football, herumgespielt, aber die Modelle sind nicht meine, sondern nur die Kapitalallokationsstruktur. Das Besondere am Baseball ist der begrenzte Hausvorteil, den es so in keinem anderen Sport gibt. Noch nicht.

Ist Ihr Weg – von der Wall Street zum Sportwetten – ein Sonderfall oder entwickeln sich Sportwetten zu einer eigenen Anlageklasse?

Es müssen noch zahlreiche strukturelle Veränderungen, sowohl im Offshore- als auch im traditionellen Sportwettengeschäft, erfolgen, damit sich tatsächlich eine alternative Anlageklasse entwickeln kann, aber das wird passieren.

Alle Komponenten dafür sind vorhanden. Es erfordert lediglich mehr Innovationen, von denen ich einige bereits angesprochen habe.

Lesen Sie unsere Besprechung von Trading Bases und erfahren Sie mehr über Joe Petas Geschichte.

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