Interview mit einem professionellen Tennis-Wettenden

Interview mit einem professionellen Tennis-Wettenden

Dan Wetsons drei besten Ratschläge für Sportwettende

Von Pinnacle Okt 13, 2016

Von Spielautomaten und Poker zu Statistikanalyse und Tenniswetten, für Dan Wetson, der seinen Lebensunterhalt durch seine Glücksspielaffinität verdient, ist der Traum wahr geworden. In diesem Interview erklärt Dan, wie er jeden Tag von Tennis-Wetten profitiert. Lesen Sie weiter, um mehr zu erfahren.

Beginnen wir mit deiner Vorgeschichte. Wie bist du professioneller Glücksspieler geworden?

Als ich an der Uni war, habe ich angefangen, mich ernsthafter mit Glücksspiel zu befassen. Jetzt fühle ich mich alt, denn das ist inzwischen bereits 18 Jahre her! 

Damals lernte ich einen halbprofessionellen Obst-Spielautomaten-Spieler kennen, der so nett war, mir seine Methoden zu zeigen. Ich habe viel Zeit damit verbracht, sie zu verfeinern und allgemeine Verbesserungen vorzunehmen. So konnte ich die Uni mit Ersparnissen beenden, statt wie die meisten mit einem Haufen Schulden.

Nach meinem Abschluss in Finanz- und Rechnungswesen bewarb ich mich bei verschiedenen Unternehmen um einem Platz in einem ihrer Graduiertenprogramme, doch die Konkurrenz war sehr stark. Während ich mich um Stellen bewarb, spielte ich natürlich weiter an Spielautomaten, und mir wurde klar, dass es sich wenigstens kurzfristig mehr lohnen würde, hauptberuflich zu spielen. Ich beschloss, sechs Monate lang hauptberuflich zu spielen, und habe es nie bereut.

Mit der Zeit wandte ich mich anderen Glücksspielbereichen zu und spielte vor dem UIGEA-Gesetz (welches große Auswirkungen auf die Branche hatte und das Einzahlen/Spielen für US-Spieler enorm erschwerte) für einige Zeit Online-Poker.  Danach richtete ich meine Aufmerksamkeit auf Sportwetten/Trading. 

Welche Märkte tradest du am liebsten und welche Software verwendest du? Findest du mehr Gelegenheiten bei Wetten vor dem Spiel oder bei Live-Wetten?

Im Allgemeinen bevorzuge ich Live-Wetten, da es hierfür weniger Statistiken gibt, zu denen durchschnittliche Wettende/Trader Zugang haben, als für Wetten vor dem Spiel. Deshalb habe ich meine eigenen Live-Wetten-Daten geschaffen, die ich selbst für Live-Wetten-Märkte nutze und Abonnenten zur Verfügung stelle.

Der legendäre @puntdotcom sagte einmal, dass er empfiehlt, zu allem so viele Daten wie möglich zu sammeln. Das kann ich zu 100 % unterstützen.

Im Allgemeinen trade ich die Spielquotenmärkte. Es gibt einige Nebenmärkte, an denen ich sicherlich ebenfalls interessiert wäre, wenn sie eine bessere Liquidität bieten würden, doch das ist häufig nicht der Fall.

Was die Software angeht, habe ich aus verschiedenen Gründen nie dauerhaft eine API verwendet. Erstens nutze ich einen Mac als meinen Haupt-Trading-Computer und für Macs gibt es nicht viel Software. Das ist vielleicht eine Marktlücke für jemanden. Zweitens ist Geschwindigkeit kein großes Problem für mich, da ich normalerweise während Spielunterbrechungen, z. B. nach einem Spiel oder Satz, rein- oder rausgehe.

Welche Bankroll-Management-Strategien wendest du an und was war dein größter Verlust?

Ich habe gemerkt, dass das Pokern mir eine erstklassige Basis für das Bankroll-Management gegeben hat. Im Poker ist es allgemein anerkannt, dass man 40–50 vollständige Buy-ins benötigt, um auf einer bestimmten Einsatzstufe zu spielen. Das entspricht 2–2,5 % deiner gesamten Bankroll, falls du in dem Spiel deinen gesamten Einsatz verlierst. Diese Strategie habe ich auf das Trading übertragen, und mein Skript berechnet meinen Einsatz automatisch, während ich trade, mit einem integrierten Maximalverlust.

Was meinen höchsten Verlust angeht, ich versuche mich nicht lange mit einzelnen Gewinnen oder Verlusten in einem Match aufzuhalten. Sie sind einfach Teil des Spiels und zu lange darüber nachzudenken, ist reine Energieverschwendung.

Wie sieht ein typischer Tag eines Tennis-Traders aus?

Gute Frage, das hängt von der Zeitzone der Events ab. Im Moment wird zum Beispiel in Asien gespielt, so dass die Spiele zwischen 03:00 und 06:00 Uhr britischer Zeit beginnen.  Aufgrund der Startzeiten bereite ich die Trading-Spreadsheets für jedes Match am Abend vorher vor und verschicke sie an die Abonnenten meines Service. 

Dann versuche ich, früh ins Bett zu gehen, und stehe zwischen 06:00 und 06:30 Uhr auf, da die Live-Wetten-Liquidität vorher ziemlich niedrig ist. Nun stelle ich mein Skript bezüglich potenzieller Einstiegsspunkte für jedes Match fertig, was etwa 15 Minuten dauert, und suche anschließend nach Gelegenheiten, in den Markt zu einzusteigen.

In der Europa- und USA-Saison und den späteren Startzeiten ist das Leben etwas einfacher. Dann stehe ich normalerweise etwas später auf und bereite alles am Morgen vor dem Event vor.

Das ist eine ziemlich einsame Arbeit. Man kann zwar über Skype oder soziale Medien mit anderen Tradern chatten, es ist allerdings nicht immer einfach, das Gleichgewicht zwischen Chatten und Konzentration zu bewahren. In einer kurzfristigen und idealen Welt, würde ich wahrscheinliche alle anderen Ablenkungen ausschalten, aber langfristig würden die meisten Menschen dann wahrscheinlich verrückt werden.

Du bist dafür bekannt, auf Grundlage von Statistiken zu traden. Nutzt du auch deine Intuition und wenn ja, wie?

Ein bisschen wahrscheinlich. Ich weiche nur selten von meinem Skript ab und wenn ich es tue, dann meistens, um einen Einstiegsspunkt zu vermeiden und nicht um einen anderen zu kreieren. 

Der Bereich, in dem ich meine Intuition nutze, ist die Datensammlung im täglichen Spreadsheet. Beispielsweise kann es vorkommen, dass ich für einen bestimmten Spieler eine andere Stichprobengröße wähle als normalerweise, weil ich das Gefühl habe, dass die normale Stichprobengröße die Stärke oder Chancen des Spielers im nächsten Match nicht akkurat widerspiegelt.

Wenn wir schon beim Tennis sind, welchen neuen Spieler sollte man im Auge behalten?

Daniil Medwedew, einen 20 Jahre alten Spieler aus Russland. Er hat sich in den letzten Monaten unglaublich gut entwickelt und steht in dieser Woche so hoch wie nie zuvor in seiner Karriere auf Weltranglistenplatz 122, damit hat er seine Platzierung seit Juni mehr als halbiert. In seinen letzten fünf Challenger-Turnieren erreichte er jedes Mal das Viertelfinale, eines der Turniere gewann er und ein weiteres Mal unterlag er erst im Finale. 

Nicht nur sind seine Statistiken beeindruckend und verbessern sich rasant, sondern darüber hinaus hat er seine Fähigkeiten auf jedem Untergrund unter Beweis gestellt, wovon seine Ranglistenplatzierung in Zukunft stark profitieren dürfte.  Außerdem verteidigt er in den ersten Monaten 2017 nicht viele Ranglistenpunkte, deshalb würde es mich nicht überraschen, wenn er schon bald in die Top 100 aufsteigen würde. 

Welcher Rat hat dir in deiner Karriere als Tennis-Trader am meisten geholfen?

Der legendäre @puntdotcom sagte einmal in einem Interview, dass er empfiehlt, zu allem so viele Daten wie möglich zu sammeln. Das kann ich zu 100 % unterstützen.

Welchen Rat würdest du Wettenden geben, die von Sportwetten leben möchten?

Nachdem ich mit zahlreichen anderen Wettenden und Tradern gesprochen habe, würde ich sagen, dass viele Leute große Probleme bezüglich der Disziplin und des Bankroll-Management haben. Ich sehe das so: Du kannst der beste Wettende/Trader der Welt sein, trotzdem wirst du ohne die Fähigkeit, dein Geld zu verwalten und den Tilt so weit wie nur menschenmöglich zu reduzieren, keinen dauerhaften Gewinn machen.

Du kannst der beste Wettende/Trader der Welt sein, trotzdem wirst du ohne die Fähigkeit, dein Geld zu verwalten, keinen dauerhaften Gewinn machen.

In finanzieller Hinsicht ist es außerdem wichtig, sein Glücksspiel-Guthaben vom Geld im wirklichen Leben zu trennen. Versuche, den Druck beim Traden zu reduzieren, indem du darauf achtest, immer ausreichend Reserven zu haben, um Zeiten negativer Varianz ausgleichen zu können. Man sollte auf keinen Fall das Geld setzen, das zum Abbezahlen der Hypothek eingeplant ist!

Wenn ein Wettender Untersuchungen anstellt, um eine Wettstrategie zu entwickeln, sollte er immer darauf achten, dass ein Vorteil sich auch zu Geld machen lässt. Ich habe bereits mehrmals einen Vorteil gegenüber dem Markt in einem Nebenmarkt ausgemacht und gemerkt, dass es entweder unmöglich war, einen vernünftigen Einsatz auf den Trade zu bekommen, oder dass der Markt sehr illiquide war. Am Ende habe ich also nur meine Zeit verschwendet. Deshalb würde ich anderen empfehlen, ähnliche Szenarien zu vermeiden.

Zum Schluss würde ich ganz allgemein empfehlen, immer gute Gründe für einen Ein-/Ausstieg in/aus einem Markt zu haben und nicht aus dem Bauch heraus oder nach Gefühl zu handeln. Ich finde, dass „Gefühlstrader“ dazu tendieren, ihre Fähigkeiten in dieser Hinsicht zu überschätzen.

Wenn du in einem Satz beispielsweise gegen einen Spieler wettest, der einen Break gewonnen hat, warum tust du das?  Tust du das, weil der Spieler statistisch gesehen dafür anfällig ist, eine Führung aus der Hand zu geben, oder einen niedrigen Prozentsatz bei gewonnenen Aufschlägen aufweist? Oder tust du das nur, weil der Preis niedrig ist oder weil du dich an ein besonderes Event erinnern kannst, bei dem der Spieler nach einer Führung noch verloren hat? Es wäre gut möglich, dass dies ein Glücksspieler-Trugschluss wäre.

 

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