Mai 15, 2020
Mai 15, 2020

Vom Aktuar zum Sportwetten-Profi

Warum Aktuare gute Glücksspieler abgeben können

Ähnlichkeiten zwischen Finanz- und Wettmodellen

Das Konzept des versicherbaren Interesses

Der Umstieg vom Aktuar zum Wettenden

Vom Aktuar zum Sportwetten-Profi

Profitable Wettende kommen aus allen sozialen Schichten. Allerdings haben Aktuare durch ihren Beruf doch einen erheblichen Vorsprung. Hier lesen Sie, was der geprüfte Aktuar und Forscher für Wettmärkte Dominic Cortis dazu zu sagen hat, wie Aktuare profitable Wetten platzieren können.

In welchem Bereich haben Sie gearbeitet, bevor Sie mit Ihren Forschungen im Bereich der Sportanalysen begonnen haben, und wie kamen Sie zu der Entscheidung, sich auf Wettmärkte zu konzentrieren?

Ich habe hauptsächlich in der höheren Bildung gearbeitet, war aber kurze Zeit als Aktuar im Bereich der Versicherungsmathematik tätig. Bei meiner Arbeit für die Abteilung für Versicherungs- und Rentenaufsicht bei der maltesischen Finanzbehörde (MFSA) gehörte zu meinen Aufgaben u. a. die Sortierung von Industriestatistiken, die Prüfung der Angemessenheit von Solvenzreserven sowie die Vorbereitung auf neue Gesetze mit Auswirkungen auf Versicherungen.

Während wir uns ein Euro 2012 Match ansahen, stellte mir mein dienstälterer Kollege Dr. Frank Neumann einige Fragen zu Wettmärkten. Auf die meisten davon hatte ich keine Antworten, doch Heureka! Einer plötzlichen Eingebung folgend beschloss ich, eine meiner Ideen zu testen, Techniken aus der Finanzbranche auf die Wettmärkte anzuwenden.

 Und plötzlich wusste ich, dass es bei meinem PhD eher um Sportwetten gehen würde, als traditionell um Finanzen. Aktuell konzentriere ich mich bei meinen Forschungen darauf, ein Solvenz-Framework für Buchmacher zu entwickeln und zu testen.

Welche grundlegenden Ähnlichkeiten bestehen zwischen Ihrer vorherigen Tätigkeit, und dem, was Sie heute tun? 

Wenn Sie Modelle aufstellen, ob im Finanzbereich oder beim Wetten, müssen Sie zunächst eine Reihe von Annahmen festlegen, auf die Sie Ihr Modell stützen möchten. Diese sind für den Erfolg eines Modells entscheidend, weshalb Sie bei der Auswahl, Überprüfung und Aktualisierung dieser grundlegenden Annahmen sehr sorgfältig vorgehen müssen.

Auch die Kategorien der Experten, die in diesen beiden Branchen arbeiten, ähneln sich stark. Hier finden Sie Personen, die sich auf die Feinheiten eines Modells konzentrieren, um mit fortschrittlichen Modellen einen Vorteil zu erlangen, während andere ihren Blick auf die Preisbewegungen richten und wieder andere mehr an der Qualität der Daten interessiert sind. 

In beiden Branchen geht es darum, Risiken zu bewerten und Werte zu entdecken, aber gibt es auch grundlegende Unterschiede?

Letztendlich sind Wetten immer binäre Optionen, weshalb sie als Derivate zu klassifizieren sind. Außerdem sind Versicherungen und Wetten für mich ein und dasselbe, von einem zentralen Aspekt abgesehen – dem ‚versicherbaren Interesse‘.

Zum Abschließen von Versicherungen benötigt man ein ‚versicherbares Interesse‘, man muss etwas zu verlieren haben, wenn ein Ereignis eintritt. Bei Wetten ist das Gegenteil der Fall: Die Spieler auf dem Feld können nicht darauf wetten, dass ihr Team das Match verliert. Mit einer Wette versuchen Sie, einen Betrag zu gewinnen, während Sie mit einer Versicherung gleichgestellt bleiben, falls ein Ereignis eintritt.

Zum Abschließen von Versicherungen benötigt man ein ‚versicherbares Interesse‘. Bei Wetten ist das Gegenteil der Fall. Mit einer Wette versuchen Sie, einen Betrag zu gewinnen, während Sie mit einer Versicherung gleichgestellt bleiben, falls ein Ereignis eintritt.

Würde ich einen Vertrag darüber abschließen, dass ich beim Dahinscheiden von Queen Elizabeth einen Betrag erhalte, wäre das eine Wette. Für Prince Philip wäre dies aber eine Versicherung.

Das führt dazu, dass im Bereich der Sportwetten weniger Raum für asymmetrische Daten bleibt. Wenn ich eine Lebensversicherung abschließe, dann informiere ich den Versicherer nicht unbedingt über meinen Gesundheitszustand, wenn er nicht danach fragt.

Andererseits hat der Versicherer wahrscheinlich hochentwickelte Modelle an der Hand, mit denen er die Wahrscheinlichkeit und Schwere bestimmter Ereignisse besser vorhersehen kann. So hat eine Partei mehr und/oder bessere Daten, als die andere. Dieser Unterschied ist bei Wettmärkten viel geringer, zumindest zum Zeitpunkt dieses Artikels.

Die drei wichtigsten Begriffe bei Finanzprognosen sind Wahrscheinlichkeit, Größe (Schwere) und Timing. Nehmen Sie zum Beispiel eine Versicherung gegen eine Naturkatastrophe. Der Schaden kann nur im dreistelligen Bereich liegen, oder aber Milliarden Dollar betragen.

Auch das Timing dieses Ereignisses spielt eine Rolle, hat man z. B. zu diesem Zeitpunkt Investitionen, die liquidiert werden können? Außerdem herrscht eine erhebliche Unsicherheit zur Forderungsentwicklung in den Jahren nach so einem Ereignis.

Bei Wetten spielen Schwere und Timing eine geringere Rolle, da die meisten Wetten kurzfristig sind. 

Glauben Sie, dass Aktuare bei Sportwetten im Vorteil sind? Wenn ja, woran liegt das?

Aktuare sind Experten bei der Einschätzung von Risiken und sind darin geschult, Fragen zu stellen und Modelle zu entwickeln. Ich denke, damit haben sie einen Vorteil gegenüber traditionellen Wettenden, aber auch gegenüber Modellierern, die sich voll und ganz auf die Mathematik konzentrieren.

Außerdem haben Aktuare oft mit der Auswertung von Ergebnissen aus verschiedenen Quellen zu tun und müssen diese dann häufig für Laien verständlich präsentieren. Diese zentrale Fähigkeit beratender Aktuare ist auch sehr nützlich, wenn es darum geht, welche Voreingenommenheiten in der Wettbevölkerung zum eigenen Vorteil ausgenutzt werden können.

Welchen Rat würden Sie einem Aktuar geben, der sein Fachwissen mit Sportwetten zu Geld machen möchte?

Es macht wirklich eine Menge Spaß, Fachwissen aus der Versicherungsmathematik in Sportwetten einzusetzen. Wenn Sie meine Strategieartikel lesen, werden Sie vielleicht auch die Gedanken eines Aktuars herauslesen. Wie jede Wettempfehlung sollten Sie diese wie eine spaßige Übung betrachten!

Der Interviewer bedankt sich bei Nick Foster für diese nützlichen Einsichten. Nick Foster ist geprüfter Aktuar und lehrt Versicherungsmathematik an der University of Leicester, wo er als Programme Director für BSc Mathematics and Actuarial Science fungiert. Unter www.weknow0.co.uk veröffentlicht er Texte zu einer Reihe von Themen aus den Bereichen Rente und Wirtschaft.

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