Mai 20, 2014
Mai 20, 2014

Elfmeterschießen bei der Weltmeisterschaft

Elfmeterschießen bei der Weltmeisterschaft
Bei Turnieren wie der Weltmeisterschaft hängt die Möglichkeit eines Elfmeterschießens wie ein Damoklesschwert über der K.O.-Runde. Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Elfmeterschießen bei WM-Begegnungen sowie der damit verbundenen Spieltheorie und untersucht, ob ein Team einen Vorteil hat, wenn es zuerst schießt, oder ob das Gegenteil der Fall ist.

Spieltheorie und Elfmeter

Elfmeterschießen kamen bisher immer in mindestens einem Match der Endrunde vor, seit Frankreich bei der WM 1982 in Spanien im Halbfinale an der damaligen Bundesrepublik Deutschland scheiterte. Elfmeter sind nicht nur ein spannendes, wenn auch potentiell schmerzhaftes Spektakel, sondern auch ein fruchtbarer Boden für die Videoanalyse sowie reale Experimente im Bereich der Spieltheorie.

Elfmeterschützen haben immer eine bevorzugte, für Sie natürlichere Seite, auf die sie lieber zielen. Der Schwung eines Schusses mit dem rechten Fuß ist von Natur aus eher dafür geeignet, den Ball rechts zu platzieren, wodurch der Schuss normalerweise stärker wird. Dagegen ist bei einem Versuch, die gegenüberliegende Ecke zu wählen, eher die exakte Platzierung des Schusses sowie das Täuschen des Torhüters entscheidend.

Die Spieltheorie verbindet die rationale Entscheidungsfindung mit psychologischer Voreingenommenheit. Wenn ein Schütze lieber auf seine natürliche Seite zielt, kann ein Torhüter natürlich diese Seite wählen, um seine Chancen zu erhöhen. Da der Schütze dies aber weiß, kann er ebenfalls entsprechend seine Strategie ändern. Etwas "Gambling" ist meistens erforderlich, um einen Elfmeter zu halten, denn ein Torhüter, der wartet, bis der Ball auf ihn zukommt, ist normalerweise zu spät dran, um einen gut geschossenen Elfmeter zu erreichen.

Deshalb sollte man als Elfmeterschütze seine Entscheidungen eher nach einem Zufallsprinzip treffen, anstatt vorhersagbar zu werden, indem man immer seine "natürliche" Seite wählt, auch dann, wenn dadurch ein kräftigerer und genauerer Schuss entstehen würde. Wenn sowohl der Torhüter und der Schütze die gleiche Ecke wählen, fällt die Erfolgsrate auf unter 70%. Es ist also entscheidend, den Torhüter im Ungewissen zu belassen.

Die Elfmeteranalyse hat sich im modernen Fußball erst nach und nach durchgesetzt. Viele regelmäßige Elfmeterschützen ändern Ihre Elfmetertechnik, so, wie das auch empfohlen wird, aber Zufallsmuster werden oft mit regelmäßigen Änderungen verwechselt, was wiederum vorhersehbar ist.

Gelegentliche Elfmeterschützen tendieren eher dazu, sich auf die natürliche Schusskraft ihrer starken Seite zu verlassen, aber kühnere Elfmeterexperten, angefangen mit Panenka bei der Europameisterschaft 1976 und kürzlich Pirlo (Euro 2012 gegen England), haben noch eine dritte Alternative erfunden, mit einem eleganten Heber in die Mitte, in der kein Torhüter, der versucht, die Ecke zu erraten, stehen bleibt.

Ist es besser, als erster oder zweiter zu schießen?

Die Spieltheorie bildet eine zusätzliche, komplexe Ebene, was ein Elfmeterschießen betrifft, während sich eine mehr mit dem Glücksspiel verbundene Statistik mit dem angeblichen Vorteil befasst, den ein Team hat, wenn es als erstes einen Elfmeter schießt.

Eine Studie von 120 Elfmeterschießen vor 2003, die von Ignacio Palacios-Huerta durchgeführt wurde, zeigte, dass etwas über 60% der Mannschaften, die den ersten Elfmeter schießen, schließlich gewinnt. Dabei wurde dieser spezielle Zeitrahmen herangezogen, weil die Mannschaft, die den Münzwurf gewinnt, seitdem auswählen kann, ob sie zuerst oder als zweite schießen möchte, während sie vor 2003 dazu verpflichtet war. Deshalb wurde früher die Reihenfolge einzig und allein durch den Münzwurf bestimmt, also wirklich nach dem Zufallsprinzip.

Diese 60% werden verständlicherweise auch heute noch oft auf Elfmeterschießen angewendet. Ein einzelner Elfmeter des ersten Schützen ist zu beinahe 80% erfolgreich. Dies bedeutet, dass das zweite Team bereits im Rückstand ist, und es ist relativ logisch, dass der dadurch entstehende Druck sich negativ auf das Selbstbewusstsein und den Erfolg des zweiten Teams auswirken kann.

Eine 60-prozentige Erfolgsrate bei 129 Spielen kann theoretisch erreicht werden, wenn beide Teams eine 50%-Gewinnchance im Elfmeterschießen haben, aber doch eher unwahrscheinlich, weshalb solche Erfahrungswerte als statistisch relevant erachtet werden. Die Beweislage bezüglich des Vorteils des ersten Schützens scheint also recht glaubwürdig, und kann dem Wetter helfen, da dieser Vorteil nicht immer in die Wettquoten inkludiert wird, sobald der Münzwurf vorgenommen und die Reihenfolge bestimmt wurde.

Es gibt allerdings auch dazu Einsprüche. So hat zum Beispiel jenes Team, das den ersten Elfmeter schießt, einen Vorteil, aber vielleicht nicht so hoch wie die oft zitierten 60%. Wenn die Mannschaften, die als erste schießen, eine leicht höhere Gewinnchance von 54% hätten, wäre ein 60:40-Verhältnis über 129 Spiele verglichen mit einem absolut fairen Wettbewerb sogar wahrscheinlicher. Also kann die 60%-Rate auch zufällig durch einen nur geringen Vorteil über 129 Spiele entstanden sein.

Außerdem gibt es mehrere alternative Studien von Kocher, Lenz und Sutter, in denen von 262 bis 470 Elfmeterschießen in der gleichen Periode herangezogen wurden, die nicht das gleiche Ergebnis zur Folge hatten. Stattdessen wurde Erfolgsquoten von ca. 53% für die ersten Schützen aufgezeichnet, was statistisch gesehen einem fairen Wettbewerb entspricht.

Neuere Studien, die auf Resultaten von kürzlich gespielten Turnieren basieren, wie z.B. die Prozone-Analyse der Europameisterschaften und Weltmeisterschaft ab 1998, ähneln wiederum eher der Ausgangstheorie, mit Erfolgsquoten von 75%.

Es gibt allerdings keinen offensichtlichen Grund, 1998 als Startpunkt heranzuziehen, und die Anzahl der Erfahrungswerte ist relativ gering. Wenn die Stichprobengröße auf alle Elfmeterschießen seit deren Einführung erweitert wird, sinkt die Erfolgsquote auf 54%. Eine solche Zahl ist konsistent mit einer zufälligen Abweichung in einem überwiegend fairen Wettbewerb, was gegen starke psychologische Druckauswirkungen spricht.

Das Elfmeterschießen ist heute die bevorzugte Methode zur Entscheidung eines anhaltenden Unentschiedens in vielen Wettbewerben auf der ganzen Welt. Weltmeisterschaften sowie Europameisterschaften, asiatische, afrikanische Turniere sowie die Copa America verwenden diese Methode bereits seit langer Zeit. Es ist relativ leicht, Informationen über den Ausgang solcher Elfmeterschießen zu erhalten, aber die Reihenfolge kann oft nur durch Matchberichte oder YouTube-Videos erfasst werden.

Dennoch kann man in einem Nachmittag einfach durch Google-Suche ganz einfach über hundert Elfmeterschießen aus den englischen Cups, Playoffs etc. finden, und leicht auf dreistellige Untergruppen stoßen, wo das Team, das den zweiten Elfmeter geschossen hat, schlussendlich als Sieger hervorgeht.

Die 60% werden aber bestimmt erneut erwähnt, sollte es in der Eliminationsphase der WM zu einem Elfmeterschießen kommen. Aber es wäre unklug, von vornherein von einem Wettvorteil für das Team auszugehen, das den ersten Elfmeter schießt, weil es sich dafür entscheidet oder dazu gezwungen wird. Denn es gibt zu viele widersprüchliche Beweise dafür, sowohl von späteren Zeiträumen als auch aus der gleichen Periode wie die ursprüngliche Studie.

Wenn, so wie es diese Daten besagen, Elfmeterschießen tatsächlich rein zufällig sind, dann wäre es eine typische Wetter-Falle, die Engländer als Elfmeter-Versager zu sehen. Wenn z.B. die Gewinnchance 50/50 ist, dann wären drei Niederlagen in Folge auch nicht abnormaler, als eine Münze, die dreimal auf "Kopf" landet. Angesichts dieser Beobachtung sollten sich Wetter diese Logik ernsthaft überlegen, bevor Sie Voraussagen bezüglich des Ausgangs eines Elfmeterschießens machen.

Die unterschiedliche Interpretation von Statistiken kann oft zu widersprüchlichen Vorschlägen führen, und bei spektakuläre Behauptungen fehlt es oft an den Nuancen der Studien, auf welche sie sich stützen. Trotz Studien, die behaupten, das Gegenteil zu beweisen, sollte ein Elfmeterschießen bei der WM 2014 in Brasilien vermutlich als der mehr oder weniger faire Münzwurf behandelt werden, der er ursprünglich sein sollte.

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