Mai 17, 2018
Mai 17, 2018

Warum Wetten auf die WM einen Daten-Alptraum darstellen

Das Problem einer datengestützten WM-Wettstrategie

Warum ein qualitativer Ansatz ebenfalls beschränkt ist

Gibt es eine Lösung für das WM-Problem?

Warum Wetten auf die WM einen Daten-Alptraum darstellen

Die WM ist zweifelsohne der größte Wettbewerb im Weltfußball. Da das Turnier nur einmal alle vier Jahre veranstaltet wird, freuen sich die Fans schon lange auf die 64 Spiele, die innerhalb von einem Monat in Russland stattfinden. Allerdings bereitet das Turnier Wettenden häufig Kopfzerbrechen. Was macht es so schwierig, auf die WM zu wetten? Lesen Sie weiter, um mehr zu erfahren.

In einem früheren Artikel erklärte Mark Taylor seinen Ansatz für möglichst präzise Prognosen für die WM 2018 (einschließlich des Gewinners) und wies gleichzeitig auf die Beschränkungen eines solchen Ansatzes hin. In diesem Artikel möchte ich mich hauptsächlich mit Letzteren beschäftigen. Ich untersuche hier die Beschränkungen des quantitativen und qualitativen Ansatzes. 

Die Ergebnisse Ihres Modells werden durch Ihr Verfahren bestimmt

Der Aufbau eines Modells ist ein iterativer Vorgang, der das Testen und Überwachen von Ergebnissen umfasst. Dies wurde in einem früheren Artikel untersucht, in dem Beurteilung und Kreativität als wichtige Elemente des Aufbaus eines beliebigen Modells genannt wurden.

Die Möglichkeiten des Testens und Überwachens von Ergebnissen sind in einem WM-Szenario beschränkt, da das Turnier nur alle vier Jahre stattfindet. Mit quantitativen Ansätzen lassen sich keine wirklich realistischen Ergebnisse ermitteln, hierbei handelt es sich um einen kreativen Vorgang, bei dem reale Ergebnisse simuliert oder anhand von Zahlen erläutert werden.

Gleichzeitig basiert jedes quantitative Modell auf einer Reihe von Annahmen und folglich historischen Daten. Das Problem bei der WM besteht darin, dass die Daten – auch jene aus der Qualifikation – etwas veraltet sind.

Nehmen wir einen Fall, in dem wir uns mit der bisherigen Leistung eines Teams beschäftigen. Die Daten aus der Qualifikation sind nicht so wichtig, da die Mannschaften dort auf unterschiedlich starke Gegner treffen. So hat Panama z. B. dank eines knappen Sieges gegen die USA die CONMEBOL-Runde überstanden, aber hätte sich das Team auch in einer UEFA-Qualifikationsgruppe durchsetzen können?

Der Mangel an Daten führt dazu, dass Algorithmus-lastige Ansätze (von denen es eine Vielzahl gibt) nicht denselben Vorteil bieten wie bei Fußball-Ligen, in denen Woche für Woche gespielt wird.

Hier geht es nicht darum hervorzuheben, dass die europäische Qualifikation schwieriger ist, sie unterscheidet sich nur einfach extrem von einer Gruppenphase. Außerdem sind die Qualifikationsspiele über einen Zeitraum von zwei Jahren verteilt, wodurch eine Fluktuation zwischen guten und schlechten Leistungen auftreten kann. Die Leistungsstärke eines Spielers kann sich im Lauf eines Jahres verändern und er kann Verletzungen erleiden.

Diese Fluktuationen können durch Verwendung der FIFA-Team-Rangliste ausgeglichen werden, diese ist jedoch bekanntermaßen nicht allzu realistisch. Ich halte eine Simulation in FIFA 2018 tatsächlich für eine deutlich bessere Vorhersage.

Einige erweiterte Modelle versuchen, spielerspezifische Parameter zu nutzen. Diese Modelle neigen dazu, sehr komplex zu sein, dabei aber bessere Prognosen zu liefern. Allerdings hängt die Spielerleistung von der Struktur eines Teams ab, unter Umständen zeigt ein Spieler auf Vereinsebene herausragende Leistungen, in der Nationalmannschaft jedoch nicht.

Der Druck auf Messi, bei der WM seine Leistung abzurufen, entsteht allein durch das Fehlen seiner Teamkollegen von Barcelona in der argentinischen Nationalmannschaft. Mohammed Salah hat in dieser Saison magische Leistungen abgerufen, es gibt jedoch keine Sicherheit dafür, dass ihm Ähnliches mit Ägypten gelingt (auch wenn ich persönlich hoffe, dass er gut spielen wird).

Die Verwendung von Daten früherer WMs für Team-spezifische Parameter (wie Trefferhäufigkeit) wäre aus demselben Grund verhängnisvoll. Teams verändern sich innerhalb von vier Jahren grundlegend. Dies wurde nicht zuletzt immer wieder dadurch deutlich, dass Finalisten oder Titelverteidiger bei der nachfolgenden Weltmeisterschaft katastrophal abschnitten. Außerdem ändern sich der Nationaltrainer und der Spielstil im Lauf der Zeit.

Warum ein qualitativer Ansatz ebenfalls beschränkt ist

Erinnerungen an legendäre Teams wie Brasilien von 1970, die Niederlande von 1974 (auch wenn das Team nicht gewonnen hat) oder Spanien von 2010 wirken sich ebenfalls auf andere Ansätze, einschließlich qualitativer Vorhersagen, aus.

In einer akademischen Studie, an deren Veröffentlichung ich vor einigen Monaten beteiligt war („A Public (Mis)interpretation of Brazil’s World Cup Performance“) untersuchten wir die Quoten von Brasilien während der WM 2014. Damit Sie nicht den ganzen Artikel lesen müssen, fasse ich den Artikel in einem Satz für Sie zusammen: Die Siegquoten von Brasilien nach einem Spiel waren höher als jene vor dem Spiel.

Teams verändern sich innerhalb von vier Jahren grundlegend. Dies wurde nicht zuletzt immer wieder dadurch deutlich, dass Finalisten oder Titelverteidiger bei der nachfolgenden Weltmeisterschaft katastrophal abschnitten.

In der Studie, an der ich beteiligt war, wurde festgestellt, dass Brasiliens Chancen auf den Gewinn der WM vor dem Beginn der WM bei 25 % lagen. Nach dem Spiel gegen Kamerun und dem Überstehen der Gruppenphase lagen sie bei 18 %. Beim Anpfiff des ersten K.o.-Runden-Spiels stiegen sie auf 27 %.

Rückblickend können wir sagen, dass das brasilianische Team bei der letzten WM nicht viel mit dem legendären Team vorheriger Turniere gemeinsam hatte. Und doch schienen Wettende sich von Voreingenommenheit fehlleiten zu lassen und zu viel auf den ersten Eindruck zu geben.

Diese Voreingenommenheit wurde bei jedem Spiel von Brasilien infrage gestellt (daher die höheren Quoten nach den Spielen), bis zum Beginn des nächsten Spiels jedoch schnell wieder vergessen.

Es gibt ein weiteres Element, das zu diesen Ungenauigkeiten geführt haben könnte. Der technische Begriff hierfür lautet „übertriebene Selbstsicherheit“, wir könnten es aber auch ganz einfach Übermut nennen. Es gibt eine große Zahl von Sportwettenden – erfolgreiche genauso wie nicht erfolgreiche –, die sich ihrer eigenen Fähigkeiten viel zu sicher sind. Ich selbst gehöre vermutlich auch dazu.

Die Tatsache, dass wir alle viel zu viele Diskussionen (mit sehr sicher wirkenden Beteiligten) gehört (oder gar selbst geführt) haben, in denen Thesen in der Art von „Leicester wird nie englischer Meister“, „Chelsea hat einen Platz in den Top 4 sicher“ oder „Juventus Turin gewinnt die Champions League“ untermauert wurden, zeigt, dass das reale Leben häufig wenig mit dieser selbstsicheren Voreingenommenheit zu tun hat.

Gibt es eine Lösung für das WM-Problem?

Wenn der quantitative Ansatz beschränkt und der qualitative Ansatz voreingenommen ist, bedeutet dies, dass es keinen wissenschaftlichen Weg zur Erstellung angemessener WM-Vorhersagen gibt?

Das Problem bei der WM besteht darin, dass die Daten – auch jene aus der Qualifikation – etwas veraltet sind.

Nein, vermutlich ist das ein Vorteil. Der Mangel an Daten führt dazu, dass Algorithmus-lastige Ansätze (von denen es eine Vielzahl gibt) nicht denselben Vorteil bieten wie bei Fußball-Ligen, in denen Woche für Woche gespielt wird. Gleichzeitig bietet die WM Raum für Gelegenheits-Wettende und emotionalere Wetten.

Das Ziel einer Vorhersage liegt darin, relativ und nicht absolut präzise zu sein. Für eine Büro-Tippgemeinschaft (gern können Sie hierfür die kostenlose Excel-Datei unter Scoragol.com nutzen) empfehle ich z. B., ein wenig, aber nicht allzu sehr kreativ zu sein.

Wenn Sie wissen, dass die Hälfte der Teilnehmer auf Deutschland als Weltmeister setzt, dann tun Sie das nicht (was nicht heißt, dass Sie auf Panama setzen sollten). Versuchen Sie, den Markt zu schlagen, indem Sie andere „was wäre, wenn“-Fragen berücksichtigen. Nutzen Sie bei Verwendung eines qualitativen Modells nicht nur einen Satz Parameter, sondern testen sie seine Anfälligkeit auf eine Fluktuation in den Parametern.

Bei Pinnacle finden Sie die besten Quoten für die WM 2018 und Tipps für WM-Wetten.

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