close
Sep 18, 2017
Sep 18, 2017

Analyse des Heimvorteils im Fußball

Welche Aspekte wirken als Vorteil für die Heimmannschaft?

Was sagt die Tordifferenz über den Heimvorteil aus?

Auswertung verschiedener Studien zu Vorteilen der Heimmannschaft

Analyse des Heimvorteils im Fußball

Dass die Heimmannschaft bei ihren Spielen einen Vorteil hat, ist ein weithin akzeptierter Fakt. Doch ist das wirklich so? Bringt es im Fußball wirklich einen Vorteil, zu Hause zu spielen? Und wenn ja, wie lässt sich dieser Vorteil messen? In diesem Artikel teilt uns Dominic Cortis seine Gedanken zum Heimvorteil im Fußball mit.

Die meisten mathematischen Modelle, die für Torvorhersagen verwendet werden, nutzen unterschiedliche Parameter in Abhängigkeit davon, ob die Mannschaft zu Hause oder auswärts spielt. So werden beispielsweise in einem einfachen Poisson-Wettmodel unterschiedliche Werte für Abwehr- und Angriffsstärke verwendet.

Der Vorteil der Heimmannschaft lässt sich in der englischen Premier League (EPL) durch Zahlen belegen: 135 Heimsiegen standen in der Saison 2016/17 nur 92 Auswärtssiege gegenüber, mit Torquoten von 1,60 zu 1,20.

Heimvorteil

Bezieht sich auf den angeblichen Vorteil der Heimmannschaft.

Doch wie bereits in der Vergangenheit unter Entwickeln eines Wettmodells erörtert, spielt es eine wichtige Rolle, welche Messgröße ausgewählt wird. Man kann argumentieren, dass das Medianergebnis 1:1 ist und es somit keinen nachweislichen Unterschied gibt.

Warum die Tordifferenz berücksichtigt werden sollte

Marek und Vavra haben kürzlich über ein Forschungsprojekt zu den Vorteilen von Heimmannschaften berichtet. In ihrer Analyse des Heimvorteils in der EPL haben Sie nach einem Beweis dafür gesucht, dass Mannschaften zu Hause besser spielen. Das Besondere ihres Ansatzes war, dass sie neben dem Spielergebnis auch die Tordifferenz einbezogen.

Wenn also eine Mannschaft zu Hause 1:0 verliert, aber auswärts 4:0, dann weist das darauf hin, dass die Mannschaft durchaus einen gewissen Heimvorteil hat, auch wenn sie beide Spiele verliert. Die Autoren konnten zwar keinen bestimmten Trend ausfindig machen, dennoch ist Ihr Aufsatz Home Team Advantage in English Premier League (Heimvorteil in der englischen Premier League) äußerst interessant.

Während die oben erwähnte Studie eine gründliche Analyse zu den Vorteilen der Heimmannschaft als allgemeines Konzept bietet, wird auch analysiert, wie einzelne Teams diesen Vorteil nutzen. Liverpool ist ein Beispiel, das heraussticht, weil sich hier im Verlauf der Saison ein kontinuierlicher Abwärtstrend im Heimvorteil zeigte. Dagegen war der Heimvorteil von Arsenal im gleichen Zeitraum äußerst schwankend und damit unberechenbar. 

Welche Aspekte wirken als Vorteil für die Heimmannschaft?

Bei der Anwendung von Modellen besteht immer ein gewisses Maß an Subjektivität, daher sind die möglichen Faktoren zu berücksichtigen, warum ein Heimvorteil bestehen könnte.

Marek und Vavra weisen darauf hin, dass letzte Saison für Swansea und Newcastle nachweislich ein Heimvorteil bestand. Bei Swansea in Wales und Newcastle im Nordosten von England konnte die Reiseentfernung als wichtiger Faktor herausgestellt werden. 

Wettende berücksichtigen oft die Auswirkungen, welche die Reiseentfernung in der NFL hat, wo Mannschaften mitunter 3.200 km zu einem Spiel anreisen müssen (die größte Entfernung in der Premier League sind in dieser Saison die 570 km zwischen Newcastle und Swansea). Dennoch kann die zurückgelegte Entfernung im Fußball immer noch einen nachweisbaren Effekt auf das Zulassen von Toren und die Fähigkeit, Tore zu schießen, haben – wie diese Studie von Oberhofer, Philippovich und Winner nahelegt.

Bei Spielen in europäischen Wettbewerben wie Champions League und Europa League müssen die Mannschaften noch größere Entfernungen zurücklegen. Ausgehend davon, dass die Mannschaften für diese Spiele möglichst schnell hin- und zurückreisen müssen, könnte der Heimvorteil mehr Wirkung haben – sowohl bei Auswärtsspielen in europäischen Wettbewerben als auch bei Auswärtsspielen im Anschluss an ein Europapokalspiel.

Ein weiterer Faktor, der dem Heimvorteil zugerechnet werden kann, ist die Menge der unterstützenden Fans. Ob die Fans als sog. Zwölfter Mann auf dem Feld wirklich als Faktor gelten können, wird vor allem bei Mannschaften wie West Ham United und Tottenham Hotspur hinterfragt, die zwar ihre Zuschauerkapazitäten durch neue Stadien erhöhen konnten, aber trotzdem einen Abwärtstrend zu verzeichnen hatten.

Nevill, Newell und Gale fanden heraus, dass Heimmannschaften eher davon profitierten, dass mehr Spieler des Gegners verwarnt oder vom Platz gestellt werden. In ihrer neuesten Studie im „Journal of Sports Sciences“ untersuchen sie, ob es sich um tatsächliche Fouls oder eher um vermeintliche Fouls handelt. Genauer gesagt geht es um die Frage, ob die vielen Heimfans die Spieler der Gastmannschaft dazu verleiten, aggressiver zu spielen, oder ob die Kulisse Einfluss auf die Entscheidungen des Schiedsrichters hat – oder beides.  

Eine Präsentation auf der letzten Math Sport International Conference (Juni 2017) legt den Schluss nahe, dass schwache Schiedsrichterleistungen eine wichtige Rolle spielen und sich falsche Entscheidungen im Lauf eines Spiels als Folge von Beschwerden häufen.

Ich finde es auch interessant zu fragen, ob die Kulisse Einfluss auf die Heimmannschaft hat und sich dies in mehr oder weniger Toren niederschlägt, d. h. ob die Intensität variiert je nachdem, ob die Heim- oder die Auswärtsmannschaft trifft bzw. Tore zulässt. Dazu müsste auch untersucht werden, ob es Unterschiede hinsichtlich des Zeitpunkts des ersten Tores bei Heim- und Auswärtsspielen gibt. 

Falls jemand daran interessiert ist, dies wissenschaftlich zu untersuchen, dann kontaktieren Sie mich bitte.

Wettressourcen – Für bessere Wetten

Die Wettressourcen von Pinnacle sind eine der umfangreichsten Sammlungen von Expertenratschlägen zum Thema Wetten im Internet. Sie richten sich an alle Erfahrungslevel mit dem Ziel, den Wettenden wertvolles Wissen zu vermitteln.