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Jul 3, 2018
Jul 3, 2018

Gibt es bei Sportwetten für Intuition einen Platz?

Intuition und Big Data

Die Grenzen unserer Intuition

Gibt es bei Sportwetten für Intuition einen Platz?

Gibt es bei Sportwetten für Intuition einen Platz?

Viele Gelegenheits-Wettende lassen sich bei der Wahl ihrer Wetten vom „guten Gefühl“ leiten, voraussehen zu können, wie sich ein Spiel entwickelt. Ein Garant für erfolgreiches Wetten ist das allerdings nicht. Heißt das im Umkehrschluss, dass Wettende, die sich stärker auf Daten verlassen, ganz auf ihre Intuition verzichten können?

Wie kann uns unsere Intuition bei der Entscheidungsfindung helfen?

In seinem Buch „Blink: The Power of Thinking Without Thinking„ untersucht Malcolm Gladwell das Konzept der Intuition.  Warum erweisen sich intuitive, unbewusste Entscheidungen, die auf Grundlage von deutlich weniger Informationen getroffen werden, so häufig als die fundierteren und durchdachteren Entscheidungen?

Nehmen wir zum Beispiel die einzigartige Gabe des Tennistrainers Vic Braden. Noch bevor der Tennisschläger den Ball berührte, konnte Braden ganz genau sagen, ob ein Spieler einen Doppelfehler schlägt. Er wusste selbst nicht genau, warum. Es war ein spontanes Urteil, dass er intuitiv fällte.

Bei einem Match in Indian Wells sagte Braden 16 von 17 Doppelfehlern richtig vorher – und das bei einer Aufschlagquote von 91,1 Prozent im zweiten Aufschlag.

Intuition und Big Data

Laut Definition bezeichnet Big Data „extrem große Datenmengen, die von Rechnern analysiert werden können, um Muster, Trends und Zusammenhänge aufzuspüren, vor allem in Bezug auf menschliches Verhalten und menschliche Interaktion“ – also im Grunde das genaue Gegenteil vom Fällen spontaner Urteile.

Big Data kann Licht in Bereiche bringen, in denen Intuition und gefühltes Wissen unpräzise sind. Anschauliche Beispiele sind das Scouting beim Baseball (Moneyball) und das sogenannte Hot-Hand-Phänomen (der Glaube an eine Glücksträhne oder einen Lauf). Sie zeigen, dass intuitive Urteile zu Bestätigungsfehlern (Confirmation Bias) führen können.

Das bedeutet aber nicht, dass beide grundverschieden sind.

Im seinem Buch „Everybody lies„ schreibt Seth Stephens-Davidowitz, dass die Gabe von Vic Braden, Doppelfehler vorhersehen zu können, auf ihre Art auch eine Form der Datenanalyse war.

Braden hatte Millionen von Aufschlägen gesehen und erkannte intuitiv die Anzeichen für einen Doppelfehler, bevor dieser passierte. Er konnte die Wahrscheinlichkeit des Auftretens eines Doppelfehlers berechnen, indem er die Aufschlagbewegung eines Spielers analysierte und sie mit den zahllosen Aufschlagsversuchen verglich, die er zuvor gesehen hatte.

Könnte er dieselben Eingabewerte wie Braden nutzen, würde ein datengestützter Ansatz, der Doppelfehler vorhersagt, fast genauso funktionieren. Diese Eingabewerte würden dabei mit denselben Daten für alle anderen Aufschläge in der Datenbank verglichen werden, um ihre Ähnlichkeit mit anderen Doppelfehlern zu ermitteln.

Intuition und Sportwetten

Schauen Sie sich die nachstehenden Quoten für ein normales Match der Primera División zwischen Barcelona und Real Madrid an:

Barcelona – Real Madrid

Quoten für einen Sieg von Barcelona

Quoten für ein Unentschieden

Quoten für einen Sieg von Real Madrid

10.850

5.210

1.358

Wenn Sie sich mit Sportwetten auskennen, werden Sie sofort sehen, dass bei diesen Quoten irgendwas nicht stimmt. Wer weiß, wie man die Wahrscheinlichkeit des Ausgangs von Fußballspielen einschätzt, stellt fest, dass die Chance auf einen Sieg von Barcelona den Quoten zufolge viel zu niedrig angesetzt ist.

Alle, die zu dieser Schlussfolgerung kommen, liegen richtig. Diese Quoten stammen eigentlich aus den Pinnacle-Quoten für das Spiel Belgien gegen Tunesien bei der WM 2018. Der Wettende weiß intuitiv und ohne Rückgriff auf Modelle oder umfassende Analyse der Daten, dass die Chancen eines Sieges von Barcelona gegen Real Madrid nicht genauso klein wie die Chancen eines Sieges von Tunesien gegen Belgien sein können.

Wenn wir davon ausgehen, dass die Gabe von Vic Braden ein Beispiel für Intuition in Aktion war, ließe sich vielleicht eine Abwandlung dieser Fähigkeit auf Sportwetten anwenden. Wenn das Gehirn eines Profi-Wettenden wie ein Supercomputer funktionieren kann, ist es schließlich möglich, dass der Wettende ein sehr gutes Gespür für Wahrscheinlichkeiten hat.

Es gibt erfolgreiche Wettende wie Lewis Deyong, die ihren Erfolg auf ein intuitives Wahrscheinlichkeitsgespür zurückführen.

Wenn ein Wettender ein vergleichbares Maß an Können erreichen könnte, dann könnte einfaches intuitives Wetten profitabel sein. Aber ist das eine realistische Perspektive?

Die Grenzen unserer Intuition

Das Problem beim Wetten auf diese Art ist, dass man extrem viele Dinge im Auge behalten und auf sehr viele Ereignisse wetten muss, um eine langfristige Rentabilität zu gewährleisten. Realistischerweise ist nicht davon auszugehen, dass Quoten so wie oben beschrieben aus dem Rahmen fallen.

Wenn er sich die Quote anschaut, müsste ein Wettender erkennen, dass es einen möglichen Fehler im Modell gibt. Dann könnte er die Auswahl potenziell verfeinern, um eine höhere Genauigkeit zu gewährleisten.

Das Wissen zu besitzen, mit einem Vorteil auf eine breite Auswahl an Events zu wetten, würde übertragen auf das Beispiel mit Vic Braden bedeuten, dass dieser versucht, Doppelfehler bei hunderten oder gar tausenden Matches vorherzusagen, die gleichzeitig gespielt werden.

Bradens Intuition mag reichen, um die Doppelfehler in einem bestimmten Match vorherzusagen, wenn er diese Fähigkeit auf mehrere gleichzeitige Events anwenden wollte, wäre er jedoch schnell überfordert.

Ein Beispiel, dass dieses Problem veranschaulicht, stammt aus einer Anekdote, die der Fußball-Analytikexperte Ted Knutson im Zusammenhang mit einem Gespräch erzählte, dass er mit Bob Bradley, dem ehemaligen Trainer der US-Nationalmannschaft hatte.

Knutson erläuterte Bradley das Konzept der erwarteten Tore, der seinerseits mögliche Fehler dieses datengestützten Ansatzes bei der Fußballanalyse verwies. Bradley behauptete, dass er beim Anschauen einer Torchance intuitiv und besser als die Daten sagen könne, wie hoch die Chance auf das Tor ist.

Dem hielt Knutson Folgendes entgegen: „Bob kann nicht jede Ballberührung in jedem Spiel in 27 verschiedenen Ligen auswerten.” In einzelnen Spielen mag die Intuition von Bradley vielleicht präziser als die Daten sein, mit den Erkenntnissen von Big Data, die auf der Analyse unzähliger Spiele fußen, könnte sie jedoch nicht konkurrieren.

Warum die Größe der Stichproben wichtig ist

Eine weitere Einschränkung für das intuitive Wetten ist die fehlende Möglichkeit, diese Vorhersagen zu testen. Ein datengestützter Ansatz lässt sich auf frühere Ansetzungen anwenden und über zahlreiche Partien hinweg testen. Die Stichprobengröße für einen intuitiven Wettenden hingegen kann niemals ein Niveau erreichen, bei dem er mit einiger Sicherheit von Rentabilität sprechen kann.

Ein Wettender, der intuitiver vorgeht, findet vielleicht bei einer kleineren Gruppe von Wetten einen Wettvorteil, der nachhaltig profitabel ist, aber das ist mit Sicherheit keine einfache Aufgabe.

Gibt es bei Sportwetten für Intuition einen Platz?

Einer Wettstrategie, die sich vollständig auf intuitive Urteile stützt, dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit kein Erfolg beschieden sein. Es spricht aber viel dafür, intuitive Urteile auf Wettmodelle anzuwenden.

Stellen Sie sich vor, ein Modell legt einem Wettenden aus irgendeinem Grund nahe, im oben genannten Match auf Real Madrid zu setzen. Wenn er sich die Quote anschaut, müsste ein Wettender erkennen, dass es einen möglichen Fehler im Modell gibt. Dann könnte er die Auswahl potenziell verfeinern, um eine höhere Genauigkeit zu gewährleisten. Dabei wendet der Wettende im Wesentlichen seine eigene Intuition auf den Vorgang an.

Genauso gut können die Daten signalisieren, dass das intuitive Urteil des Wettenden über das Match tatsächlich falsch ist. Möglicherweise hat Barcelona bisher eine schlechte Saison gespielt oder viele Schlüsselspieler verloren. Die Annahme des Wettenden, dass „Barcelona ein gutes Team ist“, träfe dann nicht mehr zu.

„Bauchgefühl (oder Intuition) ist die Kurzbezeichnung für viele der bemerkenswerten Eigenschaften der menschlichen Kognition: die Fähigkeit, schnell Muster zu erkennen, Zusammenhänge herzustellen sowie einen reichen persönlichen Erfahrungsschatz mit unzähligen Daten zu verknüpfen, um ein Urteil zu bilden.“

Die Macht der Intuition vollständig aus der Wettstrategie zu tilgen, würde bedeuten, auf einen riesigen Datenschatz zu verzichten. Umgekehrt gilt jedoch auch: Sich beim Wetten allein auf die Intuition zu verlassen, wäre äußerst riskant, weil dies allein von der Genauigkeit des Gespürs für Wahrscheinlichkeiten des Wettenden abhängt, die kleiner sein kann, als er glaubt.

Wie so oft ist auch hier die goldene Mitte gefragt: Eine Kombination beider Ansätze ist vielleicht der beste Weg zu einer erfolgreichen Wettstrategie.

Die intuitive Gabe eines Vic Braden mit den Erkenntnissen eines guten datengestützten Modells zu kombinieren, wäre das ideale Szenario. Beide könnten von den Erkenntnissen des jeweils anderen profitieren. Daher wäre es töricht, wenn Wettende ganz auf ihre Intuition verzichten würden.

Wettressourcen – Für bessere Wetten

Die Wettressourcen von Pinnacle sind eine der umfangreichsten Sammlungen von Expertenratschlägen zum Thema Wetten im Internet. Sie richten sich an alle Erfahrungslevel mit dem Ziel, den Wettenden wertvolles Wissen zu vermitteln.