Apr 16, 2020
Apr 16, 2020

Heuristik beim Wetten

Heuristiken – Einfache Faustregeln

Häufige Arten von Heuristiken

Der Hot-Hand-Trugschluss

Heuristik beim Wetten

Viele Glücksspieler vertrauen beim Wetten auf ihr Bauchgefühl und realisieren nicht, dass spontan gefasste Faustregeln – in der Psychologie als Heuristiken bekannt – zu schlechten Entscheidungen führen können. Lesen Sie weiter, um zu erfahren, welche Heuristiken am häufigsten sind und wie Sie diese vermeiden können.

Es gibt einen sehr guten Grund, dass wir uns auf Heuristiken verlassen – die Evolution. Unsere entfernten Vorfahren waren mit lebensbedrohlichen Problemen konfrontiert und hatten keine Zeit, die Situation genau zu bewerten, weshalb sie Methoden entwickelten, um Entscheidungen aus dem Stegreif zu treffen. Die Methoden, die funktionierten, wurden von Generation zu Generation weitergegeben. Auch heute verlassen wir uns noch darauf, auch wenn wir das oft lieber nicht tun sollten.

Einführung in häufige Heuristiken

  • Voreingenommenheit

Voreingenommenheit (sog. Anchoring) wirkt sich auf die Fähigkeit der Menschen aus, die wahrscheinlichste Zahl von Elementen eines bestimmten Typs oder den wahrscheinlichsten Wert in einer Sequenz zu schätzen.

Beispiel: Eine Gruppe soll den Prozentsatz afrikanischer Länder in den Vereinten Nationen schätzen. Bevor die Teilnehmer antworten, beobachten sie einen Zufallsprozess, der eine Zahl generiert (den sog. Anker), woraufhin sie gefragt werden, ob der Prozentsatz afrikanischer Nationen über oder unter diesem Anker liegt. Dann geben sie ihre tatsächliche Schätzung der afrikanischen Länder in den Vereinten Nationen ab. Die abgegebenen Schätzungen werden sich am Anker orientieren, obwohl die Teilnehmer wissen, dass er zufällig generiert wurde.

Ohne es zu realisieren, sind die Personen voreingenommen und ankern ihre Schätzung an dem vollständig arbiträr gewählten Punkt. Der Grund dafür ist, dass der Anker als Arbeitshypothese angenommen wird, von dem die Personen nicht zu weit abweichen möchten.

Dieses Phänomen wird im Marketing häufig ausgenutzt und spielt auch beim Wetten eine sehr wichtige Rolle. Wettende sollten immer auf Anker im Wortlaut einer Wette achten und realisieren, wie Handicaps und Spread-Werte ihre Entscheidungen beeinflussen – oftmals völlig unbewusst.

  • Verfügbarkeits-Bias

Verfügbarkeits-Bias manifestiert sich in der Tendenz der Menschen, Ereignissen eine größere Bedeutung zuzuweisen, die den tiefsten Eindruck hinterlassen haben oder mit lebhaften Erinnerungen verbunden sind.

„Achten Sie beim Wetten darauf, ob sie kürzlichen oder einprägsamen Ergebnissen übermäßige Bedeutung zuordnen.“

Beispiele dafür sind, wie Menschen die Risiken im Zusammenhang mit traumatischen oder dramatischen Ereignissen überbewerten, z. B. Terroranschlägen oder Erdbeben. Direkt nach einem Erdbeben gehen die Verkaufszahlen für Erdbeben-Versicherungen nach oben, obwohl das Risiko nun deutlich geringer ist. Und Menschen sind bereit, Extra für Lebensversicherungen gegen den Todesfall bei einem Terroranschlag zu bezahlen, als gegen alle Todesursachen (zu denen natürlich auch der Terrorismus zählen würde).

Achten Sie beim Wetten darauf, ob sie kürzlichen oder einprägsamen Ergebnissen übermäßige Bedeutung zuordnen. Fragen Sie sich, ob sie sich einfacher an ein 0-0-Unentschieden oder ein Spiel mit vielen Toren erinnern können.

Wahrscheinlich letzteres, das heißt aber nicht, dass es auch profitabler sein muss. Bei Fußballwetten überschätzen Menschen die Häufigkeit von roten Karten und Eckstößen, weil diese Ereignisse wichtig sind und einfach nachzuverfolgen sind. Die Auswirkungen der gefühlten Wahrscheinlichkeit auf das Wettverhalten

Dies hängt mit dem häufig auftretenden Phänomen zusammen, dass Wettende sich häufig für das „Über“ in Gesamtergebnis-Märkten entscheiden, da sie aufgrund von Verfügbarkeits-Bias davon ausgehen, dass das Ereignis wahrscheinlicher ist, als es wirklich ist.

  • Diversifizierung

Diese Heuristik beschreibt, wie Menschen dazu neigen, mehr Diversität an den Tag zu legen, wenn sie mit gleichzeitigen statt mit aufeinander folgenden Entscheidungen konfrontiert werden.

Beispiel: Wenn sie fünf Pralinen aus einer Schachtel mit einer gleichen Anzahl an Varietäten auswählen sollen, treffen Personen vielfältigere Entscheidungen, als wenn sie fünf Mal nacheinander eine Entscheidung treffen müssen.

Beim Wetten setzen die Menschen daher häufig auf eine Chance, die vielfältiger aussieht. Ein gutes Beispiel wäre z. B., auf ein Unentschieden und auf die Auswärtsmannschaft zu wetten, anstatt nur auf die Heimmannschaft. Es gibt aber keinen logischen Grund, mehr Wetten abzuschließen, außer wenn der Erwartete Wert größer ist.

  • Eskalierender Einsatz (sog. Sunk-Cost-Fallacy, der Trugschluss der versenkten Kosten)

Diese Heuristik beschreibt, wie Menschen den Drang verspüren, einen Einsatz dadurch zu rechtfertigen, dass sie kumulativ weiter in diese Entscheidung investieren – obwohl die potenziellen Kosten den möglichen Vorteil überwiegen.

„Menschen glauben, dass kurze Sequenzen von zufälligen Ereignissen längere Sequenzen repräsentieren“

Dies wird häufig beschrieben als „gutes Geld dem schlechten nachwerfen“. Ein Beispiel dafür ist, wenn Sie sich einen Film zu Ende ansehen, den Sie nicht mögen, nur weil Sie bereits Zeit und Geld in den Film investiert haben. Sie versuchen also, Ihre bisherige Investition zu rechtfertigen.

Beim Wetten lässt sich das beobachten, wenn Wettende auf einer Wette verharren, die mit hoher Wahrscheinlichkeit zu großen Kosten führt, anstatt einen sicheren, aber kleineren Verlust in Kauf zu nehmen. In diesen Situationen zeigen Menschen eine irrationale Entschlossenheit, ihre ursprüngliche Entscheidung zu rechtfertigen, anstatt den Schaden zu begrenzen.

  • Repräsentativität (sog. Gamblers Fallacy, der Trugschluss des Glücksspielers)

Menschen glauben, dass kurze Sequenzen von zufälligen Ereignissen längere Sequenzen repräsentieren, und ignorieren dabei die statistische Unabhängigkeit von Ereignissen.

Beispiel: Der Trugschluss des Glücksspielers ist auch bekannt als der „Trugschluss von Monte Carlo“, da im Jahr 1913 an einem Roulette-Tisch in einem Casino in Monte Carlo ganze 26 Mal in Folge eine schwarze Zahl fiel. Nach dem fünfzehnten Mal „Schwarz“ stürzten sich die Spieler auf „Rot“ da für sie die Chance eines weiteren Mals „Schwarz“ astronomisch klein war. Dies zeigt einen irrationalen Glauben daran auf, dass ein Dreh irgendwie den nächsten beeinflusst.

Der Trugschluss des Glücksspielers ist eng mit dem Hot-Hand-Trugschluss verwandt, dem Glauben an Glücks- und Pechsträhnen. Wenn Menschen erleben, was wie eine untypische Reihe von Ereignissen scheint, dann weisen sie dem besondere Bedeutung zu, z. B. „Ich hab' eine Glückssträhne“, oder „Mein Glück ist vorbei“.

Die sog. Hot-Hand-Fallacy (der Trugschluss der heißen Hand) erhielt ihren Namen nach einer Studie aus den 1980er Jahren, die postulierte, dass ein Basketball-Spieler nach einem erfolgreichen Wurf bei seinem nächsten Versuch keine größere Trefferwahrscheinlichkeit hat, nur weil er zuvor getroffen hat.

Dies ist insbesondere beim Wetten auf zufällige Glücksspiele wie Roulette, Lotto und Würfelspiele von Bedeutung.

Menschen sind keine Maschinen, und auch wenn wir rational handeln möchten kommen uns unsere Instinkte dabei oft in die Quere. Das kann Glücksspieler teuer zu stehen kommen, weshalb Sie vielleicht nur noch beim Essen auf Ihr Buchgefühl hören sollten.

Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, empfehlen wir Ihnen weitere Texte von Daniel Kahneman und (dem leider verstorbenen) Amos Tversky. Die beiden sind für ihre Bahnbrechenden Arbeiten auf dem Gebiet der kognitiven Verzerrung bekannt. Kahneman gewann im Jahr 2002 den Nobelpreis in Wirtschaft, obwohl er selbst kein Ökonom ist.

In seinem Bestseller „Thinking Fast, Thinking Slow" (Schnelles Denken, Langsames Denken) fasst er einen Großteil seiner Arbeit zusammen. Er öffnet dabei jedem die Augen, der verstehen will, wie Menschen bei Ungewissheit mit risikobasierten Entscheidungen umgehen – und Wetten ist schließlich nichts anderes.

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