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Jul 11, 2013
Jul 11, 2013

Die Grünholztäuschung

Die Grünholztäuschung
Einer der am weitesten verbreiteten Irrtümer beim Wetten besteht darin, Fachwissen in einer Sportart für Fachwissen bei Sportwetten zu halten. Dieser Trugschluss trägt auch dazu bei, dass viele ehemalige Sportprofis versuchen, sich als Tippgeber für Sportwetten oder selbsternannte Experten zu etablieren. Dieses Phänomen ist auch unter dem Begriff „Grünholztäuschung“ bekannt.

Einer der erfolgreichsten Börsenhändler von Grünholz – dabei handelt es sich um frisch gefällte Bäume – hatte keine Ahnung, womit er eigentlich handelte. Er dachte während seiner gesamten Händlerlaufbahn, dass es sich bei diesem Produkt um grün gestrichenes Holz und nicht um frisch gefällte Bäume handelte.

Der Begriff „Grünholztäuschung“ wurde von Nassim Nicholas Taleb in seinem aktuellen Buch „Antifragilität“ geprägt, wo er eine weitere ähnliche Situation beschreibt: Ein bekannter Schweizer-Franken-Trader, der nicht in der Lage war, die Schweiz auf einer Karte zu finden, war im Geldhandel trotzdem sehr erfolgreich.

Wie können Personen, die nichts über das Produkt wissen, mit dem sie handeln, trotzdem erfolgreich sein? Und wie lässt sich dies auf Sportwetten übertragen?

Diese beiden Männer (und viele andere) verstehen etwas vom Risiko. Ein Wissen, das vielen anderen fehlt, auch wenn diese anderen sich vielleicht hervorragend mit Grünholz oder mit der Schweiz auskennen.

Während im Idealfall Wissen über den Markt und das Risiko vorhanden ist, sollte unbedingt bedacht werden, dass Kenntnis über das Risiko mindestens so wichtig, wenn nicht wichtiger, ist als Fachwissen bezüglich des Sports selbst.

Dies steht im krassen Gegensatz zu dem Bild, das viele Medien darstellen, die ehemalige Sportprofis als Tippgeber präsentieren. Verständlicherweise halten Wettende z.B. die Meinung eines Ex-Fußballprofis bezüglich Sportwetten für relevant. Dabei ist jedoch immer zu bedenken, dass Fußball und Wetten auf Fußball zwei völlig unterschiedliche Dinge sind.

Risiken erkennen und berücksichtigen

Taleb hat die „Grünholztäuschung“ bekannt gemacht, diese Theorie trifft aber auch in anderen Situationen zu. Michael Lewis vertritt z.B. in seinem Buch Moneyball die Theorie, dass das im Laufe eines Jahrhunderts gesammelte MLB-Insiderwissen auf fehlerhaften subjektiven Analysen basiert und dass ein analytischerer Ansatz, der an wenigen grundlegenden Metriken ausgerichtet ist, deutlich effektiver wäre.

Der in „Moneyball“ aufgezeigte Ansatz wurde inzwischen mehrfach in der englischen Premier League übernommen und stellt dort einen Gegenpol zum herkömmlichen, höchst subjektiven Ansatz dar, der sich schwer beziffern lässt und häufig auf Voreingenommenheit basiert.

Wettende, die dies lesen, sollten sich bei erfolgreichen Sportwetten an folgenden Punkten orientieren:

  • Nur weil jemand über umfangreiches Fachwissen in einer Sportart verfügt oder diese selbst ausgeübt hat, heißt das nicht, dass er auch das nötige Wissen für erfolgreiche Wetten auf diese Sportart hat.
  • TV-Kommentatoren/Journalisten/Tippgeber lieben es, Geschichten darüber zu erzählen, warum z.B. eine Mannschaft formschwach ist, und noch mehr lieben sie es, Geschichten entsprechend umzudichten, wenn die Entwicklung in eine ganz andere Richtung geht als erwartet (was relativ häufig der Fall ist).
  • Stell dir die folgende Frage: Glaubst du, dass du, nur weil du die Golfregeln kennst, über ausreichendes Wissen verfügst, um mit Zuversicht auf Golf zu wetten?

Natürlich will niemand behaupten, dass Sport-Fachwissen bei Sportwetten völlig irrelevant oder wertlos ist. Allerdings neigen die Mainstream-Medien dazu, ihre Experten als Fachleute auszugeben, während sie trotz ihrer Fachkenntnisse eben, wie beim Grünholz, nur selten dazu in der Lage sind, Risiken einzuschätzen oder Prognosen abzugeben, anhand derer Wettende ihr hart verdientes Geld einsetzen sollten.

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