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Dez 17, 2015
Dez 17, 2015

Das Hot-Hand-Phänomen

Das Hot-Hand-Phänomen
Der Begriff „Hot Hand“ stammt aus dem Basketball, wo die Wahrscheinlichkeit, dass ein Spieler einen Freiwurf trifft, nach einem Treffer mutmaßlich höher ist als bei einem fehlgeschlagenen vorherigen Wurf. In Sport-Wetten-Szenarien wird der Begriff verwendet, um einen Wettenden zu beschreiben, der dauerhaft gewinnt. Aber ist die mysteriöse „Hot Hand“ wissenschaftlich nachweisbar?

Eine Untersuchung von Juemin Xu und Nigel Harvey am University College London befasst sich mit dem Hot-Hand-Phänomen, indem die Wetthistorie von mehr als 700 Spielern ausgewertet wurde, die zusammengenommen im Laufe des Jahres 2010 565.915 Wetten abgeschlossen hatten.

Wenn das Glück auf deiner Seite ist

Die Wissenschaftler untersuchten das Phänomen von Siegesserien beim Wetten, indem sie die Wahrscheinlichkeit des Gewinnens nach unterschiedlichen Dauern vorheriger Siege auswerteten.

In der ersten Stichprobe von Wetten lag die Wahrscheinlichkeit für einen Gewinn bei 0,48. Nach Prüfung der nächsten Wette derselben Spieler lag die Gewinnwahrscheinlichkeit der siegreichen Spieler bei 0,49. Im Vergleich dazu lag die Wahrscheinlichkeit für einen Spieler, der verloren hatte, auf einen Gewinn bei 0,47.

Ein Muster ergab sich erst, als die Spieler mit zwei aufeinander folgenden Gewinnen beobachtet wurden. Die Wahrscheinlichkeit auf den Gewinn einer dritten Wette in Folge stieg auf bemerkenswerte 0,57. Dem gegenüber zeigten die Spieler ohne Siegesserie eine Gewinnwahrscheinlichkeit von 0,45.

Bei der Prüfung der Ergebnisse der jeweils nächsten Wette der Spieler, die drei Mal in Folge gewinnen konnten, stieg die Wahrscheinlichkeit auf einen vierten Sieg erneut, auf 0,67. Die Spieler, die keinen so glücklichen Lauf hatten, zeigten nur eine Gewinnwahrscheinlichkeit von 0,45. 

Dasselbe Verfahren wurde fortgesetzt: Es zeigte sich, dass Spieler mit einer Serie von fünf gewonnenen Wetten eine erstaunliche Wahrscheinlichkeit für einen Gewinn von 0,72, während jene Spieler, die bei der unmittelbar vorherigen Gelegenheit eine Siegwahrscheinlichkeit von 0,45 hatten.

Aus statistischer Sicht sind die Folgeergebnisse voneinander unabhängig.

Die Untersuchung der Folgewetten ergab eine weiter verbesserte Wahrscheinlichkeit auf einen Sieg für Spieler mit sechs Siegen in Folge mit einem Wert von 0,75. Jene ohne eine Reihe von siegreichen Wetten wiesen eine Wahrscheinlichkeit für einen Gewinn von nur 0,46 auf. 

Und schließlich zeigten die Spieler mit einer Serie von sechs erfolgreichen Wetten erneut eine verbesserte Wahrscheinlichkeit auf einen Gewinn bei der nächsten Wette in Höhe von 0,76, während die Wahrscheinlichkeit auf einen Gewinn für die Spieler ohne Gewinn in der vorherigen Runde gerade einmal 0,47 betrug.

Einmal Pech, immer Pech?

In der zweiten Phase konzentrierten sich die Forscher auf Serien von Niederlagen. Die Wahrscheinlichkeit, nach einer verlorenen Wette zu gewinnen, wurde mit 0,47 gemessen und verschlechterte sich nach zwei Niederlagen in Folge noch auf 0,40. Durch Wiederholung desselben Verfahrens fanden die Wissenschaftler heraus, dass jene Spieler mit drei Niederlagen in Folge eine Siegwahrscheinlichkeit von nur 0,32 hatten. Anhand derselben Schritte ermittelten sie dann, dass die Wahrscheinlichkeit, nach fünf, sechs und sieben verlorenen Wette in Folge zu gewinnen, jeweils bei 0,27, 0,25 und 0,23 lag.

Die Daten legen nahe, dass es beim Wetten ein Hot-Hand-Phänomen gibt, aber stimmt es wirklich, dass Wettende mit langen Siegesserien dauerhaft mehr Glück haben als andere? Oder gibt es eine andere Erklärung, die sich nur hinter der Fassade der Logik versteckt?

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Der versteckte Schuldige

Aus statistischer Sicht sind aufeinander folgende Ergebnisse voneinander unabhängig. Daher überrascht, dass Xu und Harvey Nachweise gefunden haben, die für das Hot-Hand-Phänomen sprechen.

Im nächsten Experiment konzentrierten sich die Wissenschaftler auf die Frage, wie das Ergebnis einer Wette sich auf die Quote der nächsten Wette auswirkt. In der ersten Phase lag der mittlere Wert ausgewählter Quoten aller Wettenden bei 7,72. Nach der ersten Wette waren jedoch signifikante Änderungen zu sehen.

Die Gewinner zeigten eine Tendenz, niedriger eingestufte Wetten zu wählen, deren Quoten bis auf 3,60 zurückgingen. Während die Folgewetten gewonnen wurden, setzte sich auch der Trend zu weniger riskanten Quoten fort.

Das Experiment zeigte, dass die Wettenden allein durch den Glauben an die Fehlschlüsse der Wettenden ihres eigenen Glückes Schmied wurden.

Das Gegenteil wurde hinsichtlich verlorener Wetten festgestellt. Jene, die häufiger in Folge verloren hatten, wählten eher riskantere Quoten aus. Nach sechs gewonnenen Wetten in Folge sank der Wert für mittlere Quoten auf 0,85, während er für Wettende mit sechs Niederlagen in Folge auf 17,07 stieg. 

Das Experiment zeigte, dass die Wettenden allein durch den Glauben an die Fehlschlüsse der Wettenden ihres eigenen Glückes Schmied wurden. Sieger hatten Sorge, nicht mehr so viel Glück zu haben, und wählten daher sicherere Quoten. Durch diesen risikoscheueren Ansatz stieg zugleich ihre Wahrscheinlichkeit, zu gewinnen. Im Gegensatz dazu wählten die Wettenden, die verloren hatten, Quoten mit höherem Risiko in dem Glauben, dass der große Sieg gleich hinter der nächsten Ecke wartet – und verringerten somit selbst die Wahrscheinlichkeit, zu gewinnen.

Der ultimative Faktor für Wetterfolge

Und die eine-Million-Dollar-Frage lautet natürlich, ob die Spieler mit einer Siegesserie insgesamt mehr Profit erzielten als jene, die keine Serie hatten. Durch den Vergleich der Gesamterträge von Wettenden, die mindestens eine Serie von sechs erfolgreichen Wetten hatten, mit jenen, die keine solche Serie hatten, ergab sich, dass die Wettenden ohne Serie marginal besser abschnitten. Die Spieler mit Siegesserie verzeichneten im Durchschnitt einen Verlust von 1,0078 £ pro gesetztem Pfund und die Spieler ohne Serie einen fast identischen Verlust von 1,0077 £.

Somit gilt: Ganz gleich, ob Sie eine Serie von Siegen oder Niederlagen haben – hier ist mein Rat an Sie: Glauben Sie nicht alles, was Sie denken.

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