Apr 2, 2020
Apr 2, 2020

Das Hot-Hand-Phänomen

Der ultimative Maßstab für den Wetterfolg

Wenn das Glück Ihnen hold ist

Einmal Pech, immer Pech?

Das Hot-Hand-Phänomen

Der Begriff „Hot Hand“ stammt aus dem Basketball, wo die Trefferwahrscheinlichkeit eines Spielers bei einem Freiwurf nach einem Treffer vorgeblich höher ist, als wenn er den vorherigen Wurf verfehlt hat. Bei Sportwetten-Szenarien wird dieser Begriff für Wettende verwendet, die anhaltend gewinnen. Aber lässt sich diese mysteriöse „Hot Hand“ auch wissenschaftlich beweisen? Lesen Sie weiter, um mehr zu erfahren.

In einer von Juemin Xu und Nigel Harvey am University College in London durchgeführten Studie zum „Hot Hand“-Effekt wurde der Wettverlauf von über 700 Spielern untersucht, die insgesamt 565.915 Wetten im Laufe des Jahres 2010 platziert hatten. Lesen Sie weiter, um zu erfahren, ob dieser Glaube ein Trugschluss ist oder nicht.

Wenn das Glück Ihnen hold ist

Die Forscher untersuchten das Phänomen der Glückssträhne beim Wetten, indem sie die Gewinnwahrscheinlichkeit nach Gewinnsträhnen verschiedener Länge untersuchten.

In der ersten zufälligen Stichprobe an Wetten betrug die Gewinnwahrscheinlichkeit 0,48. Bei der Untersuchung der nachfolgende Wette der gleichen Spieler hatten die Gewinner eine Chance von 0,49 auf einen weiteren Gewinn. Im Vergleich dazu betrug die Gewinnwahrscheinlichkeit für verlierende Spieler 0,47.

Erst als die Forscher die Spieler mit zwei aufeinanderfolgenden Gewinnen betrachteten, kam ein Muster zum Vorschein. Die Wahrscheinlichkeit auf einen dritten Wetterfolg hintereinander stieg auf beeindruckende 0,57. Bei Spielern ohne Glückssträhne zeigte sich hingegen eine Gewinnwahrscheinlichkeit von 0,45.

„Vom Standpunkt der Statistik aus betrachtet sind aufeinanderfolgende Ergebnisse voneinander unabhängig“

Bei Betrachtung der nächste Wette von Spielern mit drei Gewinnen hintereinander stieg die Wahrscheinlichkeit eines vierten Gewinns erneut auf 0,67. Die Spieler ohne Glückssträhne hatten dagegen nur eine Gewinnwahrscheinlichkeit von 0,45. 

Das ging so weiter, denn Spieler mit fünf Gewinnen in Folge hatten mit 0,72 eine atemberaubende Gewinnwahrscheinlichkeit, während Glücksspieler, welche die vorherige Wette verloren hatten, weiterhin nur eine Wahrscheinlichkeit von 0,45 hatten.

Die Untersuchung der folgenden Wetten zeigte eine weitere Verbesserung der Gewinnwahrscheinlichkeit auf 0,75 für Spieler mit sechs Gewinnen in Folge. Ohne Glückssträhne hatten Spieler nun eine Gewinnwahrscheinlichkeit von nur 0,46. 

Schließlich hatten Spieler mit einer Glückssträhne von sieben Wetten erneut eine gesteigerte Gewinnwahrscheinlichkeit von 0,76 auf ihre nächste Wette, während die Wahrscheinlichkeit für Spieler ohne Gewinn in der vorherigen Runde nur 0,47 betrug.

Einmal Pech, immer Pech?

In der zweiten Phase konzentrierte sich die Studie auf Pechsträhnen. Die Gewinnwahrscheinlichkeit nach einer verlorenen Wette wurde mit 0,47 gemessen und fiel auf 0,40 nach zwei Verlusten in Folge. Die Forscher wiederholten dieses Prozedere und fanden heraus, dass Spieler mit 3 Verlusten in Folge nur noch eine Wahrscheinlichkeit von 0,32 hatten. Anhand der gleichen Schritte ermittelten die Forscher, dass die Gewinnwahrscheinlichkeit nach fünf, sechs und sieben verlorenen Wetten jeweils nur noch 0,27, 0,25 und 0,23 betrug.

Die Daten wiesen deutlich auf einen „Hot Hand“-Effekt bei Wetten hin, aber stimmt es wirklich, dass Wettende mit langen Glückssträhnen einfach konsistent mehr Glück haben? Oder verbirgt sich hinter der Fassade der Logik noch eine andere Erklärung?

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Der verborgene Schuldige

Vom Standpunkt der Statistik aus betrachtet sind aufeinanderfolgende Ergebnisse voneinander unabhängig. Es ist daher überraschend, dass Xu und Harvey Beweise für den „Hot Hand“-Effekt aufgezeigt haben.

Im nächsten Experiment ging es in der Studie darum, welchen Einfluss das Ergebnis einer Wette auf die Quoten der nächsten Wette hatte. In der ersten Phase betrug der Durchschnitt der ausgewählten Quoten aller Wettenden 7,72. Nach der ersten Wette ließen sich jedoch erhebliche Veränderungen beobachten.

Die Gewinner zeigten eine Tendenz, niedrigere Wetten auszuwählen, die Durchschnittsquote sank auf 3,60. Bei weiteren Gewinnen in Folge setzte sich auch der Trend fort, dass weniger riskante Quoten ausgewählt wurden.

„Das Experiment bewies, dass die Wettenden ihres eigenen Glückes Schmied waren, da sie an den Trugschluss des Glücksspielers glaubten – die sog. Gambler's Fallacy“

Bei verlorenen Wetten ließ sich das Gegenteil beobachten. Wer mehr Wetten in Folge verloren hatte, neigte dazu, riskantere Quoten auszuwählen. Nach sechs gewonnenen Wetten in Folge sank der Durchschnittswert für Quoten auf 0,85, gegenüber 17,07 bei Wettenden mit sechs Verlusten in Folge. 

Das Experiment bewies, dass die Wettenden ihres eigenen Glückes Schmied waren, da sie an den Trugschluss des Glücksspielers glaubten – die sog. Gambler's Fallacy. Die Sieger machten sich Sorgen, dass ihnen das Glück ausgehen könnte, weshalb sie sich für sicherere Quoten entschieden. Ihre steigende Risikoaversion sorgte also dafür, dass sie mit größerer Wahrscheinlichkeit gewannen. Die verlierenden Wettenden nahmen dagegen immer riskantere Quoten in Kauf, da sie glaubten, dass der nächste große Gewinn nicht lange auf sich warten lassen würde, wodurch sie mit größerer Wahrscheinlichkeit verloren.

Der ultimative Maßstab für den Wetterfolg

Die „Eine Million Euro“-Frage ist natürlich, ob die Spieler mit größerer Gewinnsträhne auch mehr Profit machten, als Spieler ohne Strähnen. Dazu wurden die Gesamteinnahmen der Wettenden mit mindestens einer Strähne von sechs aufeinanderfolgenden Gewinnen mit denen ohne eine solche Strähne verglichen. Im Ergebnis waren Wettende ohne Gewinnsträhne knapp besser dran: Spieler mit Glückssträhne verbuchten einen durchschnittlichen Verlust von 1,0078 € für jeden eingesetzten Euro, während Spieler ohne Glücksspiele einen fast identischen Verlust von 1,0077 € verbuchten.

Ich habe einen Rat für Sie, egal, ob Sie nun eine Glücks- oder Pechsträhne haben. Vertrauen Sie nicht blind auf alle Ihre Gedanken.

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