Apr 21, 2020
Apr 21, 2020

Wetten auf Siegesserien

Werden Siegesserien durch Können oder Glück verursacht?

Die Beurteilung von Können mithilfe einer Münze

Das Beispiel Floyd Mayweather

Wetten auf Siegesserien

Zweifelsohne werden die besten Sportstars danach beurteilt, ob sie dauerhaft Niederlagen abwenden können: Roger Federer in Wimbledon, Jürgen Klopp bei Heimspielen an der Anfield Road und Floyd Mayweather im Ring. Doch werden diese Siegesserien durch Können verursacht – oder sind sie schlichtweg Glück? Lesen Sie weiter, um mehr zu erfahren.

Die oben genannten Personen gehören alle zu den besten in ihrem jeweiligen Beruf, aber warum ist es ihnen gelungen, sich mit Siegesserien sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart gegen ihre teilweise nicht weniger talentierten Konkurrenten durchzusetzen? Die Wahrheit ist, dass neben dem Talent auch das Glück eine entscheidende Rolle beim Entstehen einer Glückssträhne spielt.

Ersetzen wir Personen durch Münzen

Wenn wir die Leistungen und Persönlichkeiten im Profisport ignorieren und eine solche Serie als reines mathematisches Phänomen betrachten, können wir viel leichter verstehen, wie wir Siegesserien verzerrt wahrnehmen. Nehmen wir den Star des Boxsports, Floyd Mayweather, und betrachten wir seine Kämpfe nicht als leistungsbasierte Wettbewerbe, sondern als Münzwürfe.

Wenn Sie eine Münze 100-mal werfen, haben Sie eine 75%ige Chance auf eine Strähne mit mindestens 6-mal Kopf (oder Zahl) in Folge und eine 10%ige Chance auf mindestens 10-mal Kopf (oder Zahl) in Folge.

Jetzt nehmen wir einmal an, dass diese Folge wie folgt dargestellt wird: „O“ steht für Kopf und „X“ steht für Zahl:

winning-streaks-table-1-new.jpg

Das menschliche Gehirn bleibt unweigerlich am am leichtesten zu identifizierenden Muster hängen, also an den vielen aufeinanderfolgenden Os in der vierten Zeile. Bedeutet dies, dass diese Phase auffälliger ist als die anderen? Hat Kopf die Initiative übernommen? Konnte Kopf mit einer besseren Leistung überzeugen? Nein, schließlich handelt es sich um eine Münze. Aufgrund der Gesetze der Wahrscheinlichkeit kommen solche Folgen manchmal einfach vor.

Bei Tennisspielern, Boxern, Trainer usw. kann jede Art von Serie – insbesondere mehrere aufeinanderfolgende Siege – unsere Wahrnehmung ähnlich beeinflussen wie das oben gezeigte Muster und ebenfalls dazu führen, dass wir die Chancen auf eine Fortsetzung des Musters überbewerten.

Im folgenden Muster wurden O und X durch W und L (W für Win, also Sieg, L für Loss, also Niederlage) ersetzt:

winning-streaks-table-2-new.jpg

Was glauben Sie spontan, wodurch „???“ ersetzt werden müsste? Die häufigste Antwort wäre hier, dass die Siegesserie fortgesetzt würde. Werfen Sie jetzt einen Blick auf dieses Bild:

winning-streaks-table-3-new.jpg

Was glauben Sie, sollte hier an Stelle von „???“ stehen? Instinktiv setzen wir das Muster fort und fügen „WWWWW“ ein, obwohl hier alles stehen könnte. Warum ist das so? Hierfür gibt es einen einfachen Grund: Das menschliche Gehirn erstellt instinktiv Muster und folgt ihnen, auch wenn es dafür keinerlei logische Erklärung gibt. Ein anderer Bereich der menschlichen Psyche, der Spieler-Trugschluss, wird bei unseren Entscheidungen ebenfalls eine wichtige Rolle spielen.

Können als Faktor

Natürlich würde niemand behaupten, dass die größten Sportsmänner ihre Erfolge allein dem Zufall zu verdanken haben. Es ist unbestritten, dass sie erst durch ihr Talent dazu in der Lage sind, solche Erfolge zu erzielen. Im Endeffekt macht sie ihr Können zu einer gezinkten Münze, die eher auf Kopf (oder Sieg) fällt als andere, aber dieses Ergebnis ist alles andere als sicher.

So kann z. B. Rafael Nadal auf einem Sandplatz als extrem gezinkte Münze betrachtet werden. Angesichts einer Siegbilanz auf Sand von 95,4 % in den vergangenen Jahren ist es offensichtlich, dass Nadals Siege nicht nur dem Glück zu verdanken waren, allerdings könnte das Glück zum Beispiel in seiner perfekten Saison 2010 eine große Rolle gespielt haben.

Hat Federer also Wimbledon dominiert, weil er viel besser war als Pete Sampras? Oder sind die Miami Heat nach ihrer historischen Siegesserie ähnlich gut wie die Lakers der 1970er Jahre?

Die Antwort lautet: Vielleicht. Realistisch gesehen beruhen Siegesserien auf einer Kombination aus mehreren Faktoren, und Glück ist einer davon. Wenn wir die Rolle des Zufalls ignorieren, überbewerten wir die Chancen von Teams mit Siegesserien.

Im US-amerikanischen Sport spielt der Zufall vermutlich eine größere Rolle, da aufgrund der egalitären Strukturen und der faireren Verteilung von Talenten zwischen Teams ein einzelnes Team wesentlich seltener dominieren kann als z. B. im europäischen Fußball.

Ähnliche Vorsicht wie bei Siegesserien sollte auch bei der Verwendung von Formtabellen als Indikator angewendet werden. Dürfen wir wirklich davon ausgehen, dass ein Team mit einer 5-Spiele-Form von LLWWW ein anderes Team mit WWLLL schlagen wird?

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