Aug 16, 2016
Aug 16, 2016

Anwendung der Verhaltensökonomie auf Sportwetten

Anwendung der Verhaltensökonomie auf Sportwetten
Stellen Quoten die echten Wahrscheinlichkeiten eines Ereignisses dar? Stöbern in der Bibliothek und die Entdeckung eines vielzitierten akademischen Buches haben Dominic Cortis dazu gebracht, der Frage nachzugehen, warum Quoten von den tatsächlichen Ergebnissen abweichen. Erfahre im Folgenden, was Wettende von der Verhaltensökonomie lernen können.

Vor ein paar Wochen habe ich beim Stöbern in der Bibliothek das Buch „Misbehaving: The Making of Behavioural Economics“ von Richard H. Thaler, einem häufig zitierten Wissenschaftler in diesem Gebiet, entdeckt und musste es einfach als Sommerlektüre mitnehmen. Der Hauptgedanke des Buchs besteht darin, die traditionelle Wirtschaftsannahme, dass Märkte durch rationale Kräfte geformt werden, zu widerlegen. So habe ich angefangen, diese schöne neue Welt der Verhaltensökonomie zu hinterfragen. In diesem Artikel erläutere ich, inwiefern dieser Gedanke auf das Wetten angewandt werden kann.

Die Markteffizienzhypothese

Die Markteffizienzhypothese (engl.: efficient market hypothesis (EMH)) ist seit etlichen Jahren ein weit verbreiteter Glaube in der Welt der Ökonomie. Einfach gesagt impliziert die EMH, dass die Preise aller Artikel der Finanzmärkte richtig sind, also weder zu günstig, noch überteuert.

In einem Wettszenario würde die EMH bedeuten, dass die Quoten die echte Wahrscheinlichkeit eines Ergebnisses darstellen – angepasst an die Marge der Buchmacher. Wenn die EMH richtig wäre, könnte niemand durch Wetten und Handeln langfristige Gewinne erzielen; oder langfristige Gewinne wären eher das Ergebnis von Glück und nicht von Talent.

Dies ist jedoch eine Hypothese, die sich in vielen Fällen als falsch erwiesen hat. Zum Beispiel habe ich im Kampf der Premier League in diesem Jahr häufig argumentiert, dass der Preis auf Leicester schlichtweg nicht richtig war.

Wofür stehen die Quoten?

Es gilt zu bedenken, dass Buchmacher selbst dann, wenn sie sich der echten Wahrscheinlichkeit eines Ergebnisses bewusst wären, dieses Ergebnis nicht komplett anders als der Markt bewerten würden, da sie dann riskieren würden, eine Position einzunehmen, die sichere Wetten anbietet und/oder nicht mehr wettbewerbsfähig wäre.

Nach herkömmlicher Auffassung gilt: Wenn es mehr Trader am Markt gibt, liegen die Preise näher an der wirklichen Schätzung. Gleichzeitig bedeuten mehr Trader aber auch mehr Lärm.

In der Welt der Wetten ist der wahre Wert eines Ergebnisses abhängig vom Ergebnis selbst. Wenn wir uns also fragen: „Sind die Quoten wirklich echt?“, dann müssten bei einer einfachen Analyse alle vergangenen Quoten herangezogen werden, um zu sehen, ob diese in der Hälfte der Zeit eingetroffen sind. In der Finanzwelt ist es etwas schwieriger, einem Vermögenswert seinen wahren Wert zuzuweisen. Darum werden Wettmärkte in der akademischen Forschung als Mikrokosmos der Finanzmärkte verwendet.

Preisgebung für Wettergebnisse

Bei der Preisgebung geht es im Wesentlichen darum, vorauszuahnen, welchen Preis andere für korrekt halten. Ein Wettbewerb, in dem Einzelpersonen versuchen, zu erraten, wie zwei Drittel des Durchschnitts aller Gedanken lauten, ist ein hervorragendes Beispiel dafür.

Pinnacle hat eine Version dieses Ratespiels durchgeführt, und das Siegergebnis betrug 20. Es scheint, dass der Gewinner eine Person war, die nach Thalers Erklärung auf zwei Ebenen denkt (level-two thinker). Thaler hatte dieses Experiment auch für die Financial Times durchgeführt.

Wenn alle Zahlen nach dem Zufallsprinzip zwischen 0 und 100 liegen müssten, wäre der Durchschnittswert 50, wovon zwei Drittel 33 sind (so würde jemand erklären, der auf einer Ebene denkt (level-one thinker)). Wenn das jeder täte, würde die richtige Nummer zwei Dritteln davon entsprechen, also 22, wie ein level-two thinker feststellen würde.

Wenn man so ‚ad infinitum‘ fortfährt, beträgt das Nash-Gleichgewicht (google ‘A Beautiful Mind’) Null. Oder wie es im Buch heißt: „Wenn, und nur dann, wenn alle Teilnehmer Null denken würden, würde niemand seine Vermutung ändern wollen.“ Zur Information: Als Thaler das Experiment für die Financial Times durchgeführt hat, gewann die Zahl 13.

Bewertung von fairen Preisen

Während die Widerlegung der EMH ein Schlüsselelement für Verhaltensökonomen ist, haben sie auch mögliche Ursachen dafür vorgelegt. Dazu fand ich besonders den Abschnitt zu mentaler Buchhaltung in diesem Buch sehr anregend. Mentale Buchhaltung bezieht sich auf Verhaltensweisen, die die beste Nutzung unseres Geldes einschränken können.

Zwei von diesen Aspekten sind unsere Liebe zu Schnäppchen sowie unsere Abneigung gegenüber Abzocke und versunkenen Kosten.  Ersteres hat damit zu tun, dass wir Dinge kaufen, weil sie zu einem guten Preis angeboten werden, gar nicht so sehr, weil wir sie brauchen, was erklärt, warum so viele Geschäfte scheinbar permanent einen Ausverkauf haben.

Zudem bewerten wir Abzocke unterschiedlich. Die Person, die bei meinem letzten Billigflug neben mir saß, hat auf dem 3,5 Stunden dauernden Flug sehr bereitwillig drei kleine Flaschen Wein zu je sechs Euro gekauft, sich aber gleichzeitig beschwert, dass der Alkohol in englischen Pubs so teuer ist.

Er ist jedoch nicht so teuer wie auf dem Flug, und zudem hätte sie einfach noch ein wenig länger warten und dann nach der Landung eine sehr gute Flasche Wein für 12 Euro kaufen können. Trotzdem schien ihr der Preis von sechs Euro auf dem Flug nicht wie eine Abzocke. Damit vergleichbar ist es, wenn wir es verlockend finden, eine Wette zu platzieren, einfach, weil es sich gut anfühlt, und nicht, weil es sich um eine Wetten mit gutem Wert handelt.

Ein anderer Aspekt der mentalen Buchhaltung sind versunkene Kosten. Zum Beispiel neigen Leute, die für eine Mitgliedschaft in einem Sportverein bezahlen, dazu, häufiger zu gehen, weil sie dafür bezahlt haben, gehen aber im Laufe der Zeit seltener, was darauf hindeutet, dass es mit der Zeit weniger schmerzt, dass das Geld bereits ausgegeben wurde. 

Anwendung der Verhaltensökonomie auf Wetten

Aus der Wettperspektive muss man versunkene Kosten sorgfältig betrachten. Sagen wir, jemand wettet im November darauf, dass Manchester United die Premier League gewinnt. Dies sollte ihn nicht davon abhalten, im Februar vor dem Hintergrund neuer Informationen auf ein anderes Team zu setzen. Einige meiner Freunde werden nie verstehen, wie ich gleichzeitig darauf wetten kann, dass eine Mannschaft in einer Gruppe gewinnt und Letzter im Turnier wird, wobei jedoch zu beachten ist, dass ich diese Wetten zu unterschiedlichen Zeiten abgebe. Die Gefahr besteht darin, dass man zu stark wettet, um einfach das Geld wieder hereinzuholen.

Schlussfolgernd möchte ich sagen, dass „Misbehaving: The Making of Behavioural Science“ einen geschichtlichen Abriss davon bietet, wie sich die wirtschaftliche Theorie so entwickelt hat, dass schließlich angenommen wird, dass nicht alle Marktteilnehmer perfekt rational handeln – Thaler nennt sie „econs“. Wie bereits sein vorheriges Buch „Nudge“ ist auch dieses ein Muss für alle, die sich für die Weisheit – oder deren Abwesenheit – der Masse interessieren. 

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