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Okt 17, 2012
Okt 17, 2012

Heuristik und Wetten

Heuristik und Wetten
Glücksspieler treffen Wettentscheidungen häufig aus dem Bauch heraus. Der Bauch führt sie allerdings häufiger in die Irre, als man glauben könnte. Wer dem Bauchgefühl folgt, handelt auf der Grundlage vorgefasster Meinungen - in der Psychologie Heuristik genannt -, was sich beim Wetten als wenig geeignetes Werkzeug erweisen kann.

Es gibt einen guten Grund, warum wir uns auf Heuristik verlassen: die Evolution. Unsere Vorfahren standen häufig lebensbedrohenden Problemen gegenüber und hatten nicht die Zeit, die individuelle Situation abzuwägen. Um mit solchen Situationen fertig zu werden, entwickelten sie eine Schnellschussmethode zur Analyse der Lage - das Bauchgefühl. Das funktionierte gut und wurde über die Generationen weitergegeben, so dass wir uns auch heute noch darauf verlassen - selbst wenn wir es nicht sollten.

Einführung in die allgemeine Heuristik

Verankerung

Die Verankerung hat Auswirkungen auf die Fähigkeit von Menschen zum Erraten von Zahlen durch die unbewusste Einpflanzung einer Idee in ihren Köpfen.

Beispiel: Eine Gruppe nimmt an einem Vorgang zur zufälligen Ziehung einer Zahl teil (das ist die Verankerung). Anschließend werden die Teilnehmer gebeten zu raten, wie hoch der Anteil an afrikanischen Ländern bei den Vereinten Nationen ist. Die abgegebenen Schätzungen werden auf die Verankerung zurückgehen, obwohl die Teilnehmer wissen, dass es eine Zufallszahl ist.

Ohne es überhaupt zu realisieren, verbinden die Teilnehmer ihre Schätzung mit der Verankerung zu einer rein zufällig ausgewählten Zahl. Man geht davon aus, dass dies so ist, weil die Verankerung als Arbeitshypothese herangezogen wird - als Ausgangspunkt, von dem sich die einzelne Person nur ungern weit weg bewegt.

Dieses Phänomen macht man sich im Marketing häufig zu Nutze und es ist auch für das Wetten relevant. Wettende sollten sich darüber im Klaren sein, dass Verankerungen in der Formulierung von Wettangeboten vorkommen und wie Handicaps und Spread Values ihre Beurteilung beeinflussen, ohne dass sie es überhaupt realisieren.

Verfügbarkeitsheuristik

Verfügbarkeitsheuristik verleitet Menschen dazu, Vorfällen größere Bedeutung beizumessen, die einen starken Eindruck hinterlassen oder an die man sich leichter erinnert.

Ein Beispiel dafür ist, dass viele Menschen das Risiko überbewerten, das mit dramatischen und traumatischen Ereignissen, wie Terrorangriffen oder Erdbeben, zusammenhängt. Die Verkaufszahlen von Erdbebenversicherungen gehen nach Erdbeben sofort in die Höhe, obwohl sich das Risiko zu diesem Zeitpunkt wesentlich reduziert hat, und Menschen sind eher bereit, eine höhere Versicherungsprämie für den Schutz vor Tod durch einen Terrorakt als für eine Lebensversicherung beliebiger Art (die ja auch Terrorakte umfassen würde) zu zahlen.

Aus der Wettperspektive sollte man aktuellen oder denkwürdigen Ereignissen keine übermäßige Bedeutung verleihen. Stellen Sie sich selbst die Frage, ob Sie sich eher an ein 0:0 oder an ein Spiel mit vielen Toren erinnern.

Wohl eher an Letzteres, das heißt aber nicht, dass es auch wahrscheinlicher ist. Beim Fußball neigen Wettende dazu, die Häufigkeit von zum Beispiel roten Karten oder Ecken zu überschätzen, weil diese Vorgänge wichtig sind und leicht in Erinnerung gerufen werden können. Das wiederum wirkt sich auf die wahrgenommene Wahrscheinlichkeit und das Wettverhalten aus.

Damit verbunden ist das verbreitete Phänomen der Bevorzugung des "Over" im Gesamtmarkt durch Wettende oder das Kaufen eines Spreads, weil die Verfügbarkeitsheuristik sie zu dem falschen Schluss führt, dass das Eintreten des Ereignisses wahrscheinlicher ist, als es tatsächlich der Fall ist.

Diversifizierung

Die Heuristik beschreibt, wie Menschen dazu neigen, mehr zu diversifizieren, wenn sie mit simultanen statt aufeinander folgenden Auswahlmöglichkeiten konfrontiert werden.

Beispiel: Wenn man gebeten wird, fünf Pralinen aus einer Schachtel mit gleicher Anzahl an Variationen auszuwählen, neigt man dazu, die Auswahl zu diversifizieren, wenn man alle fünf Pralinen gleichzeitig nimmt. Nimmt man die Pralinen nacheinander, ist das nicht der Fall.

Wettende neigen dazu mehr zu investieren, wenn die Möglichkeiten vielfältiger erscheinen. Ein gutes Beispiel dafür ist das gelegentliche Setzen auf Unentschieden und Auswärtssiege an Stelle des simplen Setzens auf die Heimmannschaft. Es gibt jedoch keinen logischen Grund dafür, mehr zu setzen, es sei denn, dervoraussichtliche Wertbetrag ist höher.

Eskalation des Einsatzes oder gesunkene Kosten

Diese Heuristik beschreibt, dass man sich verleitet fühlt, einen Einsatz durch Erhöhung der kumulativen Investition zu rechtfertigen, obwohl die potenziellen Kosten über den potenziellen Gewinn hinausgehen.

Dieser Vorgang wird gemeinhin als "gutes Geld schlechtem Geld hinterherwerfen" bezeichnet. Ein Beispiel dafür ist, wenn man sich einen Film zu Ende ansieht, den man langweilig findet, nur weil man bereits Zeit und Geld investiert hat und entschlossen ist, die Investition zu rechtfertigen.

Aus Wettperspektive lässt sich das beobachten, wenn Wettende bei einer Wette bleiben, die höchst wahrscheinlich zu hohen Kosten führen wird, statt einen sicheren, sofortigen (aber geringeren) Verlust in Kauf zu nehmen. In einer solchen Situation neigen Menschen dazu, die irritierende Entschlossenheit zur Rechtfertigung der ursprünglichen Entscheidung zu zeigen, statt die Verluste zu begrenzen.

Repräsentativitätsheuristik oder der Trugschluss des Glücksspielers

Menschen neigen dazu zu glauben, kurze Sequenzen von zufälligen Ereignissen seien repräsentativ für längere Sequenzen dieser Art und ignorieren dabei die Tatsache, dass die entsprechenden Ereignisse statistisch nicht miteinander verbunden sind.

Beispiel: Der Trugschluss des Glücksspielers wird auch als Monte-Carlo-Trugschluss bezeichnet, weil dort im Jahr 1913 an einem Roulettetisch 26 Mal in Folge schwarz kam. Nach der 15. schwarzen Zahl setzten fast alle Wettenden auf rot, weil sie davon ausgingen, dass die Chance, dass noch eine schwarze Zahl kommt, astronomisch klein sei. Damit demonstrierten sie die irrationale Annahme, eine Drehung des Rouletterades wirke sich irgendwie auf die folgenden Drehungen aus.

Der Trugschluss des Glücksspielers ist eng mit der "Hot Hand Fallacy" oder dem Glauben an Glücks-/Pechsträhnen verbunden. Wenn man eine scheinbar atypische Folge von Vorfällen erlebt, neigt man dazu, dem eine besondere Bedeutung zuzumessen: "Ich habe eine Glückssträhne" oder "Meine Glückssträhne ist vorbei".

Das ist besonders relevant beim Wetten auf Glücksspiele wie Roulette, Lotto und Würfelspiele.

Menschen sind keine Maschinen. Wir versuchen rational zu sein, aber unsere Instinkte funken uns häufig dazwischen. Für Glücksspieler kann das teuer werden. Darum sollten Sie Ihr Bauchgefühl besser außen vor lassen, es sei denn, es ist Zeit fürs Mittagessen.

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