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Jan 22, 2014
Jan 22, 2014

Bist du ein Fuchs oder ein Igel?

Bist du ein Fuchs oder ein Igel?
Vermutlich hast du dich noch nie im Leben gefragt, ob du eher ein Fuchs oder ein Igel bist. Große Gelehrte bis zurück zu den alten Griechen haben jedoch diesen Tiervergleich genutzt, um wichtige Eigenschaften aufzuzeigen, die unsere Denkweise und unsere Fähigkeit, erfolgreiche Vorhersagen zu treffen, bildlich darstellen. Die Bemühungen einer Person, Prognosefähigkeiten zu messen und mit dem Fuchs-Igel-Gegensatz in Beziehung zu setzen, haben zu Einsichten geführt, die für Wettende äußerst interessant sein dürften.

Verbessertes Wettkönnen entsteht im Grunde aus genaueren Prognosen. Dies ist eine Herausforderung, die weit über das Glücksspiel hinausgeht und auch Bereiche wie Finanzen, Gemeinwesen und Politik sowie im Grunde unser ganzes Denken betrifft.

Der griechische Poet Archilochos vertrat die Meinung, dass Füchse viele Dinge wissen, während der Igel sich mit einer großen Sache auskennt. Viele große Denker haben dieses Konzept erweitert und kamen zur Überzeugung, dass die Menschen grundsätzlich wie ein Fuchs oder Igel denken.

„Wer zum Teufel will Schauspieler sprechen hören?“ – H. M. Warner, Warner Brothers, 1927.

Eine der großen Schwierigkeiten beim Messen der Prognosefähigkeit besteht darin, dass in den Feldern, in denen die Auswirkungen der Genauigkeit von Prognosen so tiefgreifend sind – z. B. unzureichende Geheimdienstinformationen im Irak-Krieg –, die Verantwortlichen nur schwer zu benennen sind. Ein Mann hat jedoch seit mehr als zwei Jahrzehnten Prognosen nachverfolgt, untersucht, was gutes Urteilsvermögen ausmacht, und dabei die Unterscheidung zwischen Igeln und Füchsen berücksichtigt. Seine Erkenntnisse sind für Glücksspieler faszinierend und äußerst relevant.

Philip Tetlock hat über 20 Jahre hinweg die Prognosen von Regierungsmitarbeitern, Professoren, Journalisten und Politikern aufgezeichnet und bei einer Stichprobe von 28.000 Prognosen festgestellt, dass diese nur geringfügig genauer sind als der Zufall. Seine Arbeit und seinen Ansatz fasst er in seinem 2005 erschienenen Buch zusammen: „Expert Political Judgement? How good is it? How can we know?“ (Politische Expertise. Wie gut ist sie? Und wie können wir das beurteilen?)

Tetlock entwickelte diverse Kalibrationen und Anpassungen, um jenen, die Prognosen anstellen, gegenüber fair zu bleiben. Seine Ergebnisse waren schockierend. Sie legten nahe, dass (im Großen und Ganzen) Experten nur marginal bessere Prognosen abgaben als der Zufall.

Anstatt jedoch alle Prognostiker abzuschreiben, ermittelte Tetlock Eigenschaften, die einige Personen zu besseren Prognosen befähigen. Diese sind äußerst wichtig, wenn es darum geht, komplizierte politische Entscheidungen zu treffen oder dauerhaft Sportresultate vorherzusagen.

Tetlock versuchte bei seinem Ansatz, sich nicht auf bestimmte Erfolge zu konzentrieren: Wie oft hast du schon beobachtet, dass Tippgeber oder TV-Kommentatoren sich im Glanz seltener unerwartet korrekter Prognosen sonnen? Stattdessen maß er wiederholten erfolgreichen Prognosen im Lauf der Zeit und in verschiedenen Zusammenhängen mehr Bedeutung zu.

Der Erfolg wurde nicht auf die Einschätzung „Ja“ oder „Nein“ reduziert, da es bei einer Prognose nicht nur darum geht, zukünftige Ereignisse vorherzusagen, sondern auch darum, so schnell wie möglich falsche Annahmen zu erkennen und in der Folge anzupassen.

Man wird Tetlock nicht gerecht, wenn man versucht, seine Arbeit in wenigen Worten zusammenzufassen. Für erfolgsorientierte Glücksspieler geht es jedoch in erster Linie darum, den Schwerpunkt auf das richtige Denken zu legen.

Nate Silver hat eine hilfreiche tabellarische Zusammenfassung mit den wichtigen Charaktereigenschaften erstellt, die Tetlock bei seiner Arbeit ermittelt hat:

Fuchs-EigenschaftenIgel-Eigenschaften
Multidisziplinär – Berücksichtigt Ideen aus mehreren Disziplinen Spezialisiert – Widmet sich häufig einem oder zwei großen Problemen und ist Außenstehenden gegenüber skeptisch
Anpassungsfähig – Testet mehrere Ansätze gleichzeitig oder sucht nach einem neuen, wenn etwas nicht funktioniert Unerschütterlich – Neue Daten werden häufig dazu verwendet, ein ursprüngliches Modell zu verfeinern
Selbstkritisch – Bereit, Fehler einzusehen und ein Modell basierend auf neuen Daten anzupassen oder sogar auszutauschen Stur – Fehler werden als Pech gesehen
Tolerant gegenüber Komplexität – Akzeptiert, dass die Welt komplex ist und dass bestimmte Dinge sich nicht auf eine Null-Hypothese reduzieren lassen Ordnungsliebend – Sobald Muster erkannt werden, werden relativ uniforme Beziehungen zugrunde gelegt
Vorsichtig – Prognosen sind probabilistisch und qualifiziert Zuversichtlich – Ändert seine Position selten und sichert sie nicht ab
Empirisch – Beobachtbaren Daten wird immer der Vorzug vor Theorien oder Anekdoten gegeben Ideologisch – Ansatz für vorhersagbare Probleme passt sich in eine ähnliche Sichtweise der ganzen Welt ein

Der Ansatz des Fuchses ist von Agilität geprägt. Er reagiert auf sich ändernde Umstände und nutzt sie, um Prognosen anzupassen und zu verfeinern. Wer die Bayes‘sche Analyse nutzt, kann hier problemlos Zusammenhänge erkennen.

Das Bayes‘sche Theorem verwendet einen iterativen Prozess der Beurteilung bekannter Informationen über ein Ereignis in der Zukunft und die darauf folgende Prüfung der Auswirkungen neuer Indizien, sobald sie an den Tag treten. Bayes war ein englischer presbyterianischer Pfarrer aus dem 18. Jahrhundert und mit großer Wahrscheinlichkeit ein Fuchs.

Natürlich ist der Ansatz des Fuchses nicht gleichbedeutend mit Unfehlbarkeit. Falsche Einschätzungen sind unvermeidlich. Entscheidend ist es, einen Ansatz zu nutzen, bei dem maximale Chancen auf korrekte Einschätzungen bestehen.

Welches Tier beschreibt deine Denkweise bezüglich Unsicherheit? Unter Umständen kannst du damit deine Wettergebnisse verbessern.

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